Bodenzüge

Kipp-Funktion perfektioniert Vakuumpressen

Kipp-Funktion perfektioniert Vakuumpressen

Atmos erweitert mit innovativen Vakuumpressen stetig sein Branchenspektrum und realisiert selbst anspruchsvollste Anwendungen. Möglich wird das durch ein starkes Netzwerk regionaler Partner – wie das Heinrich Kipp Werk, das den Schwenkmechanismus der Pressen mit einer cleveren Neuentwicklung optimiert hat. 

Die Abwesenheit von Materie hat enorme Kraft. Auf dieser Erkenntnis basiert das Prinzip einer Vakuumpresse. Dadurch, dass der Pressraum mittels Vakuumpumpe evakuiert – das heißt leergepumpt – wird, wirkt die umgebende Atmosphäre mit großem Druck auf das darin befindliche Werkstück ein. So entspricht ein Vakuum von 99,9 % etwa einem Gewicht von 10 t/m2 oder einer 10 Meter hohen Wassersäule. Diese Kraft verteilt sich absolut gleichmäßig und kann Unregelmäßigkeiten an der Werkstückoberfläche mühelos ausgleichen. 

In seinen Vakuumpressen nutzt Atmos diesen physikalischen Zusammenhang und setzt dabei gleichzeitig Maßstäbe in der Branche. Denn Geschäftsführer Stefan Katzer ist es in kürzester Zeit gelungen, sein Unternehmen vom reinen Handelshaus zum eigenständigen Produzenten hochspezialisierter Pressen zu entwickeln. „Ich habe Atmos 2020 während des Corona-Lockdowns gegründet“, berichtet Katzer. „Anfangs haben wir Maschinen eines spanischen Herstellers verkauft, mit dem ich bereits eine Vertriebspartnerschaft hatte. Doch wir haben schnell sehr viele Sonderanfragen aus den unterschiedlichsten Industriezweigen bekommen, die weit über das klassische Formverleimen in der Holzbearbeitung hinausgingen. Diese Sonderentwicklungen wollten wir selbst umsetzen und haben uns dazu die passenden Partner gesucht, darunter auch das Heinrich Kipp Werk.“ 

Heute konstruiertet Atmos seine Vakuumpressen gemeinsam mit einem Metallbauer, der die einzelnen Komponenten fertigt, und führt die Endmontage dann selbst durch. Besonderen Wert legt Stefan Katzer dabei auf regionale Wertschöpfung: „Unser Ziel ist es, so viel wie möglich, so lokal wie möglich zu produzieren. Wir möchten schnell zu unseren Lieferanten fahren können und mit Sicherheit genau die Qualität gewährleisten, die unsere Kunden von uns verlangen.“ 

Spezialist für Sonderlösungen 

Aktuell bedient Stefan Katzer mit seinen Vakuumpressen unter anderem den Holz-, Möbel- und Innenausbau, die Automotive-Branche sowie die Verarbeiter von Kunststoffen und Komposit-Materialien. Eine weitere zukunftsweisende Anwendung ist das Sublimieren zwei- und dreidimensionaler Oberflächen. Sublimation ist ein Thermotransferprozess, der ursprünglich aus der Textilbranche kommt. Das gewünschte Oberflächendesign wird dabei zunächst auf ein Transfermedium gedruckt. Mit Hitze und Vakuum wird die Farbe dann verdampft und dringt in das gegenüberliegende Material ein. Das bietet den Vorteil, dass die Oberfläche anschließend genauso abriebfest ist wie der ursprüngliche Werkstoff. „Wir haben inzwischen rund 20 verschiedene Standardmaschinen konstruiert, gebaut und mehrfach ausgeliefert, sowie zahlreiche Spezialmaschinen“, bilanziert Stefan Katzer. „Darunter auch eine Maschine mit 15 m Einspannlänge für die Verleimung von Landhausdielen. Das ist eine Anlagengröße, die es vorher am Markt so nicht gab.“ 

Energiesparendes Verfahren mit großem Potential 

Aber was macht den Einsatz einer Vakuumpresse eigentlich grundsätzlich so interessant? Ein Vorteil des Verfahrens ist seine hohe Effizienz. So haben Vakuumpressen nur etwa 10 % des Energiebedarfs einer Furnierpresse. Das liegt unter anderem daran, dass durch das Vakuum auch der Siedepunkt reduziert wird und beispielsweise Weißleim in kurzer Zeit bei Zimmertemperatur aushärten kann. Bei herkömmlichen Pressen ist hierfür die Zufuhr von Wärmeenergie notwendig. Das wiederum birgt die Gefahr einer Verwerfung der Platte während des Abkühlungsprozesses.  

Dadurch, dass die Vakuumpresse den Druck nicht mechanisch erzeugt, ist sie zudem deutlich leichter als vergleichbare Furnierpressen, die in der Regel mehrere Tonnen wiegen. Das macht sie nicht nur günstiger in der Herstellung, sondern auch flexibler im Einsatz. Den Hauptvorteil für seine Kunden sieht Stefan Katzer aber in der großen Vielseitigkeit des Verfahren. „Im Bereich der Holzbearbeitung kann der Anwender nicht nur Flächen furnieren, er kann auch mit nur einer Schablone Formverleimungen herstellen oder Werkstücke komplett ummanteln – mit Furnier, mit Leder oder verschiedensten anderen Materialien“, erläutert Katzer. „Das heißt, die Technik eröffnet riesige kreative Möglichkeiten, mit denen sich unsere Kunden am Markt USPs schaffen können.“ 

Alleinstellungsmerkmale dank starker Partnerschaften 

Die Alleinstellungsmerkmale der Atmos-Pressen sind unter anderem ihre extrem widerstandsfähige HPL-Vollkern-Arbeitsplatte sowie – bei der Standardvariante – insgesamt 24 Ansaugpunkte und Luftleitkanäle, über die in kürzester Zeit ein Vakuum aufgebaut werden kann. Ein weiterer USP, mit dem sich Atmos in punkto Ergonomie und Benutzerfreundlichkeit von seinen Wettbewerbern abhebt, ist der Schwenkmechanismus der Vakuumpressen. Den bezeichnet Stefan Katzer augenzwinkernd als „Kipp-Funktion“ und verweist damit auf die Beteiligung des Heinrich Kipp Werkss an dieser besonderen Entwicklung. 

Die Kipp-Funktion erlaubt es dem Anwender, den Tisch der Vakuumpresse um 75 ° nach oben zu schwenken und so nach der Nutzung in eine platzsparende Position zu bringen. Daraus resultieren eine geringere Stellfläche sowie ein einfacherer Transport innerhalb der Fertigung. Dafür, dass dieser Schwenkprozess sicher und mit wenig Kraft erfolgen kann, sorgt neben zwei Gasdruckzylindern ein spezieller Drehhebel von Kipp, über den parallel zwei Bowdenzüge angesteuert werden. Diese lösen gleichzeitig zwei Arretierelemente und leiten so den Schwenkprozess ein. 

Kipp-Funktion – von der Idee zur Serienreife 

Oswald Mattes, Projektingenieur bei Kipp, war maßgeblich an der Umsetzung dieses Projekts beteiligt: „Unsere Idee – mit einem Auslöseelement zwei Bowdenzüge anzusteuern – war damals noch im Entwicklungsstadium“, berichtet Mattes. „Wir haben dann für Atmos ein spezielles Tandem-System angefertigt. Damit kann der Tisch, der etwa 400 kg wiegt, mit minimalem Kraftaufwand geschwenkt werden.“  

Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Schwenkmechanismus spart Platz, verbessert die Ergonomie und erhöht die Sicherheit, da der Tisch in jeder Position sicher arretiert ist. Diese „Kipp-Funktion“ liefert Atmos ein weiteres Argument, sich vom Wettbewerb abzusetzen. „Die anderen Hersteller am Markt schwenken alle den Tisch vorne nach unten“, erklärt Stefan Katzer. „Das heißt, ich muss ihn aus 20 cm Höhe hochheben, was nicht besonders rückenfreundlich ist. Wir führen die Schwenkbewegung nach oben aus. Das heißt, der Mitarbeiter bewegt den Tisch ergonomisch nach oben und von dort aus wieder zurück.“ 

Inzwischen hat Kipp diesen Mechanismus zur Serienreife gebracht und bietet ihn in seinem Produkt-Portfolio als Bowdenzugverteiler an. „Das System mit den zwei Bowdenzügen und dem Auslöser war ursprünglich eine Sonderanfertigung und ist inzwischen serienreif“, erklärt Oswald Mattes stolz „Die enge Zusammenarbeit mit Atmos und das gegenseitige Vertrauen haben wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen.“ 

„Wir sind froh, dass wir mit Kipp einen namhaften Partner für unser Unternehmen gewinnen konnten“, ergänzt Stefan Katzer. „Ohne unser Netzwerk an starken Unternehmen, die uns bei unseren Visionen unterstützen, wären wir in so kurzer Zeit niemals so weit gekommen. Dank regionaler Innovationskraft bedienen wir den globalen Markt mit hochwertigen Maschinen, die nicht nur technisch überzeugen, sondern auch perfekt auf die Bedürfnisse der Anwender zugeschnitten sind.“ 

Autor: Andre Jerke, Marketing Manager, Heinrich Kipp Werk 

Bilder: Atmos Vakuumpressen; Kipp 

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