Stoßdämpfer
Kleiner Balken, große Wirkung
Der Amsterdam Airport Schiphol ist ein unverzichtbares Drehkreuz für die Niederlande und ihre Nachbarländer. Und der viertgrößte Flughafen Europas wächst – nun um einen weiteren Pier mit Flugsteigen, Restaurants und Geschäften. Für deren unterirdische Versorgung verfügt er über ein System von Lieferwegen sowie über Aufzüge, die reibungslos funktionieren müssen. Um Stillstände zu reduzieren, gab es eine Nachrüstung der Aufzugzugänge, bei der Dämpfungstechnik von ACE aus Langenfeld eine entscheidende Rolle spielt.
Bei der im vorliegenden Fall nötigen Optimierung der vorhandenen Konstruktion steht die Kombination aus Komfort und Sicherheit im Fokus. Dies gilt auch für Anlieferungen aus dem Untergeschoss des Flughafens, schließlich sind die internationalen Terminals Hochsicherheitsbereiche. Hier werden neben den Reisenden auch die Mitarbeitenden sowie Lieferanten und deren Waren kontrolliert. Daher hatten die Flughafenarchitekten für die Warenverteilung schon in den älteren Gebäudeteilen den platzsparenden Weg unter die Erde gewählt, weil der gesamte Terminal von Schiphol untertunnelt ist.
Ein weitverzweigtes Netz aus Gängen und Rampen durchzieht das Untergeschoss, in dem ein reger Lieferverkehr herrscht. Teils von Hand, meist aber mit kleinen Elektrofahrzeugen werden Waren und Ausstattung für Geschäfte und Restaurants, Imbisse und Sanitäranlagen über oft lange Wege verteilt und dann per Lift direkt an Ort und Stelle gebracht. Dafür sind die Aufzuganlagen stets redundant ausgestattet, mit jeweils zwei Lifts. Fällt einer davon aus, kann es kleinere Staus geben. Fallen beide aus, ist sprichwörtlich dieser Teil von „Holland in Not“. Denn dann muss die Versorgung unter Umständen sogar aus den Nachbargebäuden erfolgen, mit Aus- und Eingangskontrollen sowie langen Lauf- und Fahrwegen. Das führt zu großem Aufwand an Zeit und Personal und ist auch für Frischwaren ungünstig.
Mit Sorgfalt und Hightech-Balken gegen kostspielige Ausfälle
Eine häufige Ursache für Liftausfälle waren in der Vergangenheit – wie meist in der Geschichte der Technik – menschliche Fehler: Es kam im Untergeschoss des Amsterdam Airport Schiphol zu Karambolagen mit den Lifttüren, sodass die Aufzüge mit Not-Aus reagierten. Manchmal erforderliche Reparaturen und häufiger die einfache Wiederinbetriebnahme kosteten Zeit und verursachten Aufwand. Eine technische Lösung musste her. Zusammen mit Sjoerd van Kampen, dem technischen Experten für Personentransport bei Schiphol Infrastructure, entwickelte der Ingenieur René Rohde von Rohde Projects eine Schutzvorrichtung, die den Aufzugtüren vorgeschaltet ist: Zwei runde Säulen dienen als Führung für einen Anschlagbalken, der gehoben oder im Boden versenkt werden kann, je nachdem ob die Lifttüren geöffnet oder geschlossen sind. Die Steuerung funktioniert via Kamera und Aufzugssensoren. Zusätzlich zeigt eine Rot-Grün-Ampelbeleuchtung in den Säulen an, ob Ein- oder Ausfahrt gestattet ist.
Natürlich musste auch die Schutzvorrichtung selbst geschützt werden, um nicht beim ersten Aufprall eines Fahrzeugs Schäden zu erleiden. Und so erhielt Ralf Küppers, Vertriebsingenieur für den Beneluxraum bei ACE, einen Anruf. „Gewünscht wurden Stoßdämpfer, die bei einem horizontalen Aufprall die Kräfte abfangen“, berichtet er. Dafür ist ACE im rheinischen Langenfeld die perfekte Adresse. Das seit 2016 zur Stabilus Gruppe gehörende Unternehmen verfügt über einen viele Tausend Produkte umfassenden Katalog rund um Dämpfungstechnik, Geschwindigkeitsregulierung, Schwingungstechnik und Sicherheitsprodukte. Zudem bietet es einen kompetenten Kundendienst, der mit erfahrenen Ingenieuren vor Ort berät und bei Bedarf individuelle Lösungen ab Losgröße 1 konfiguriert und liefert.
Robuste Empfehlung: Magnum vom Typ MA4575EUM-4
„Die spezifischen Anforderungen des Kunden waren mit drei Zahlen geklärt: Mit zwei Dämpfelementen innerhalb der beiden Führungssäulen sollte eine Masse von 500 kg Gewicht abgefangen werden, die mit 5 km/h aufprallt“, so Ralf Küppers. Dafür hatte der ACE-Ingenieur eine klare grundsätzliche Empfehlung: Industriestoßdämpfer aus der MAGNUM-Baureihe von ACE. Sie gilt als Referenzklasse für mittlere Baugrößen in der Dämpfungstechnik – dank der besonderen Kombination aus erprobter und robuster Technologie mit innovativen Elementen. Dazu zählen unter anderem Membranspeicher, Dichtungen und Druckhülsen in Topf-Form, die für eine deutlich höhere Dämpferleistung und längere Lebensdauer der Bauteile sorgen. Auch sind alle MAGNUM-Typen besonders vielseitig einsetzbar – zum Beispiel mit Varianten für niedrige oder hohe Umgebungstemperaturen oder in hygienekonformer Edelstahlausführung.
Konkret suchte Ralf Küppers für die fragliche Aufgabe einen ACE-Industriestoßdämpfer des Typs MC4575EUM-422205. Die leistungsstarken selbsteinstellenden Dämpfer zeichnen sich durch eine hohe Energieaufnahme, hier von 1.130 Nm pro Hub oder 146.00 Nm pro Stunde aus, bei einem Hub von 73,9 mm. Hinsichtlich der zu verzögernden effektiven Masse lässt sich dieses Industriestoßdämpfermodell in Lastbereichen von 2.650 kg bis zu 10.600 kg einsetzen, was die Aufgabe im Schiphol-Untergeschoss zu einer leichten macht. „Doch ebenso waren Robustheit und Langlebigkeit gefragt, da möglichst wenig Wartungsarbeiten anfallen sollten“, sagt der ACE-Ingenieur. „Hier konnten unsere Industriestoßdämpfer ebenfalls punkten.“ Denn ihre neueste Dichtungstechnik, das gehärtete Führungslager und der integrierte Festanschlag erweisen sich als wichtige Vorteile im Dauerbetrieb.
Unsichtbare Technik, greifbare Resultate
Neben der hohen Leistung ging es aber auch darum, die Dämpfer möglichst platzsparend zu montieren. Hier war die kompakte Bauform – die maximale Länge beträgt nur 246 mm – ein maßgeblicher Faktor. „Wir konnten die beiden MA4575EUM-4 problemlos unter den Führungssäulen einbauen“, berichtet auch Ingenieur René Rohde. So trägt die neue Sicherheitskonstruktion zu umfassenden Verbesserungen bei. „Die Stillstandzeiten der Aufzüge konnten um 70% und die der Türen sogar um fast 100 % reduziert werden“, so Rohde. Der Effekt laut Sjoerd van Kampen: „Die Lieferketten für die Shops und Gastronomieanbieter bleiben reibungslos, die Personalkosten durch das Wegfallen zusätzlicher Waren- und Personenkontrollen sinken – und auch der Unfallschutz für die Flughafenmitarbeiter wird verbessert.“ So wird auch am Amsterdam Airport Schiphol sichtbar, wie viel von vermeintlich einfachen Bauteilen abhängen kann. Denn hier zeigt sich: ein kleiner Balken kann eine große Wirkung haben.
Autoren: Jens Frantzen, ACE, Robert Timmerberg, Fachjournalist (DFJV), plus2 GmbH, Düsseldorf, Deutschland
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