Lineartechnik

„Vom kleinen Betrieb zum Weltmarktführer“

„Vom kleinen Betrieb zum Weltmarktführer“

Rollon blickt auf 50 Jahre erfolgreiche Unternehmensgeschichte zurück. Im Interview mit CEO Rüdiger Knevels erfahren wir, welche Meilensteine diesen Weg geprägt haben und erhalten spannende Einblicke in die aktuellen Herausforderungen und die zukünftigen Wachstumsstrategien. 

Herr Knevels, wenn Sie auf die 50-jährige Geschichte von Rollon zurückblicken: Was waren die größten Meilensteine für das Unternehmen? 

Entscheidende Meilensteine waren die Entwicklung der Compact-Produktlinie und der Telescopic Rail, um Linearführungen auch außerhalb des Werkzeugmaschinenbaus nutzbar zu machen. Der erste Großkunde aus der Kopiererindustrie brachte den industriellen Durchbruch und die Basis für unsere Serienfertigung. Anfang der 2000er halfen Investoren ein internationales Managementteam zu installieren und finanzielle Engpässe zu überwinden. Anschließend wurden die Fertigung modernisiert, ein neues Geschäftsmodell entwickelt und neue Märkte erschlossen. Ab 2011 wuchsen wir zusätzlich durch gezielte Zukäufe in Italien, Deutschland und den USA, was unser Portfolio um Linearachsen und Systemlösungen erweiterte. 2018 wurde Rollon vom Timken-Konzern akquiriert und Teil eines großen internationalen Konzerns. Dadurch konnte man den Zugang zu weiteren neuen globalen Märkten nutzen und auf die Ressourcen der Gruppe zurückgreifen. Diese Meilensteine haben Rollon zu dem gemacht, was es heute ist. 

Rollon eröffnete erst in den 90er Jahren dann seinen Standort in Deutschland. Gibt es hier auch wichtige Eckpunkte, die besonders den deutschen Markt für Sie vorangetrieben haben? 

Entscheidend für den Erfolg war die Phase ab 2006: Wir setzten auf eine klare Wachstumsstrategie. Ab 2007 fokussierten wir uns auf Vertrieb, stärkten das Team und schufen neue Strukturen. Der Umzug nach Düsseldorf erhöhte massiv die Fertigungskapazitäten und das Arbeitsumfeld. Besonders stolz macht mich jetzt unser neues Gebäude, in das wir vor wenigen Wochen eingezogen sind, mit Kommunikationszentrum, Showroom und Auditorium – ein Symbol für unsere Marktposition, Teamgeist und Mut zum Wandel. Das richtige Mindset hat Rollon weltweit stark gemacht. 

Was hat denn letztlich Rollon von einem kleinen Betrieb in Norditalien zu einem weltweit führenden Anbieter für Lineartechnik gemacht?  

Rollon hat es von einem kleinen Betrieb zum weltweit führenden Anbieter geschafft, weil wir von Anfang an auf kundenspezifische Lösungen gesetzt haben. Unser modulares Baukastensystem erlaubt es, Standardprodukte flexibel anzupassen – bis heute ein zentraler Erfolgsfaktor. Wichtige Weichen waren auch die aktive Erschließung neuer Branchen wie Luftfahrt, Schienenfahrzeugbau und Logistik sowie die Internationalisierung ab 2012 mit Vertriebsstandorten weltweit. Besonders stolz bin ich auf unser Baukastensystem – es macht uns einzigartig. 

Wir wollen aber nicht nur über die Vergangenheit sprechen, sondern über Gegenwart und Zukunft – und vor allem über Technik. Rollon beschreibt sich als Pionier für innovative Lineartechniklösungen. Was sind denn hier aktuell die besonderen Herausforderungen für Sie als Unternehmen? 

Wir sehen klar den Trend zu Systemlösungen und größerer Fertigungstiefe. Kunden wollen nicht nur Komponenten, sondern komplette vormontierte Baugruppen – wir nennen das „Unit Supply“ – um Montageaufwand und Kosten zu reduzieren. Ein Beispiel ist die Flugzeuginnenausstattung: Früher lieferten wir nur Teleskopführungen, heute komplette Einheiten. Auch die Nachfrage nach großen, komplexen Systemen für die Automobilindustrie wächst. Kooperationen mit Systemintegratoren und Roboterherstellern werden wichtiger. Zudem arbeiten wir intensiv an digital integrierbaren Lösungen und smarten Prozessen, um noch mehr Mehrwert zu schaffen. 

Mechanisch war Rollon schon immer unterwegs. Nun wird die Industrie immer digitaler – ein Weg, den auch Rollon einschlagen muss. Welche Rolle spielt die digitale Transformation für Rollon – beispielsweise mit Plattformen wie myRollon? 

Auch Rollon geht proaktiv den Weg der digitalen Transformation. Ein Beispiel ist unsere Plattform myRollon als Teil einer digitalen Customer Journey. Viele Kunden wollen schneller und flexibler online arbeiten, ohne direkten Kontakt zu einem Ingenieur. Die Herausforderung: unsere kundenspezifischen Lösungen digital zugänglich machen. Mit myRollon bieten wir eines der leistungsfähigsten Konfigurationstools der Branche. Das ist erst der Anfang – wir wollen die gesamte Einkaufs- und Planungsreise noch einfacher und effizienter gestalten und so Vorreiter bei der Digitalisierung im Vertriebsprozess bleiben. 

Wie genau beeinflusst die Digitalisierung heute schon Ihr Geschäft – und in welche weiteren Richtungen entwickelt sie sich bei Rollon? 

Rund 80 % unserer neuen Leads entstehen inzwischen über unsere digitale Plattform, die heute ein fester Teil unseres Vertriebs ist. Viele Kunden konfigurieren dort Produkte, laden 3D-Daten herunter und fordern Angebote an. Ein weiterer Fokus ist smarte Sensortechnik: Sie hilft, den Zustand von Systemen zu überwachen, Wartung zu planen und Ausfälle zu vermeiden. Großes Potenzial sehen wir zudem im KI-basierten Design: Künstliche Intelligenz kann Bauteile effizienter auslegen, die dann z. B. per 3D-Druck fertigungsgerecht umgesetzt werden – ein wichtiger Schritt zu individuellen, nachhaltigen Lösungen. Das ist zwar noch Zukunftsmusik – aber genau der Weg, den wir weiterverfolgen. 

Welche Rolle spielt KI bei der Entwicklung neuer Produkte – und wie bereiten Sie sich darauf in Ihrem Team vor? 

Ein KI-gestütztes Design bietet große Vorteile: Erste Projekte zeigen, dass sich so viele Ressourcen sparen lassen. Manche Formen sind aber nur mit 3D-Druck umsetzbar, was bei größeren Stückzahlen noch schwer umsetzbar ist. Trotzdem sehen wir hier viel Potenzial, da Fertigungsprozesse und Maschinen flexibler werden müssen. Deshalb arbeiten Teams in Frankreich, Deutschland und Italien an der digitalen Vertriebsstrecke und am KI-gestützten Produktdesign. Ihre Energie zeigt, dass wir ambitionierte Mitarbeiter haben und die Wichtigkeit dieser Zukunftsthemen. 

Wie wichtig ist Ihnen denn der Austausch und die Motivation junger Talente für die Zukunft von Rollon? 

Ich habe eine klare Vorstellung, was wir erreichen wollen – junge Talente spielen dabei eine zentrale Rolle. Wenn Kollegen mit Begeisterung vor 60 Leuten ihre Ideen teilen, spürt man die Energie, die unser Unternehmen trägt. Diese Begeisterung steckt an und ist sehr inspirierend. Der Austausch zwischen Generationen, die offene Atmosphäre und neue Ideen sind entscheidend, um unsere Zukunft erfolgreich zu gestalten. Wir sind auf einem guten Weg. 

Noch einen Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie Rollon in den nächsten Jahren? Welche Märkte und Technologien werden dabei besonders wichtig sein? 

In den nächsten drei bis fünf Jahren erwarten wir starkes Wachstum, getrieben durch Großprojekte und den Trend zur Automatisierung in vielen Branchen. Fachkräftemangel und steigende Löhne, vor allem in den USA und Europa, verstärken diese Entwicklung nach immer mehr Automatisierung. Rollon ist mit Produktpalette, Geschäftsmodell und globalem Vertriebsteam bestens aufgestellt. Unser Umsatz verlagert sich immer mehr zu kompletten Systemlösungen, bei denen wir entweder direkt oder mit Systemintegratoren eng zusammenarbeiten. Um kürzere Lieferzeiten und besseren Service zu bieten, haben wir unsere Produktions- und Logistikstrukturen mit einem großen Werk in den USA und einem Logistikzentrum in Deutschland neu organisiert. Trotz Marktschwankungen investieren wir weiter, um unsere Position noch weiter zu stärken. 

Mit der Eröffnung neuer Werke und Standorte in den USA und Deutschland gehen Sie einen deutlichen Wachstumsschritt. Welche Erwartungen knüpfen Sie daran? 

Wir erwarten Wachstum, das viele Facetten hat. Unser Fokus liegt auf mehr Flexibilität, schnelleren und pünktlicheren Lieferungen. Die neue Lokalisierungseinheit und das neue Logistikzentrum in Düsseldorf ermöglichen kundenspezifische Anpassungen sowie schnellere Fertigung und Lieferung von Prototypen und Kleinserien – ein wichtiger Wachstumstreiber. Das neue Gebäude mit Showroom, Meetingräumen und Auditorium fördert den persönlichen Kundendialog, trotz zunehmender Digitalisierung im Vertrieb. Kunden können hier Lösungen kennenlernen und auf ihre Anwendung bezogen gemeinsam entwickeln. Zudem soll das moderne Gebäude mit angenehmem Raumklima und Wohlfühlfaktor die Mitarbeiterbindung stärken und so unser Wachstum unterstützen. 

Autor: Dipl.-Ing. (FH) Dirk Schaar, Leitender Chefredakteur  GO>>ing 

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