Schaltgehäuse

Immer ein Licht im Tunnel

Immer ein Licht im Tunnel

Es ist immer wieder ein Erlebnis, im ICE mit 300 km/h in einen Tunnel einzufahren. Für  
Sicherheit sorgen Notlicht-Versorgungsgeräte wie die von Hermos in Gehäusen von Rittal. Die Anforderungen sind hoch, Zertifikate unerlässlich. 

Gerade zogen beim Blick aus dem Zugfenster noch malerische Landschaften vorbei, da wird es mit einem Schlag dunkel. Ein Tunnel. Ganz so finster, wie es den Insassen vorkommt, ist es dort allerdings dann doch nicht – dank der Hermos Systems GmbH. Die ist für große Teile der Tunnelsicherheitsbeleuchtung der Deutschen Bahn zuständig. „In den Tunneln der Deutschen Bahn sind inzwischen ungefähr 25 000 Gehäuse von uns verbaut“, erklärt Veit Demel, Geschäftsführer der Hermos Systems GmbH, die Dimension der Aufgabe. „Je zwei dieser Gehäuse bilden ein Notlicht-Versorgungsgerät.“  

In den Tunnel sind batteriegepufferte Notlichtversorgungsgeräte eingebaut, die je zwei Tunnelsicherheitsleuchten (TSB) oder zwei Abschnitte Handlauf mit integrierter TSB (HiT) von je 16 beziehungsweise 25 m versorgen. In einem Gehäuse ist die Batterie untergebracht, im anderen die Elektronik, über welche die Versorgungsgeräte ständig überwacht und gesteuert werden. Bis zu sechs dieser Notlicht-Versorgungsgeräte sind über einen Tunnelstromverteiler an ein Stammkabel angeschlossen.  

Für diese und weitere Verteiler nutzt Hermos die Rittal Gehäuse der AX Serie. „Für uns gibt es zwei wichtige Anforderungen an die Gehäuse“, erläutert Hermos-Prokurist und Projektleiter Robert Berndt: „Zum einen müssen sie robust sein und für die vom Kunden vorgegebenen Vorschriften zertifiziert. Zum anderen müssen sie über viele Jahre verfügbar sein, denn jede Änderung an unseren Produkten – z.B. ein neues Gehäusemodell – zieht eine aufwendige und langwierige Neuzertifizierung und Betriebserprobung durch die Deutsche Bahn nach sich.“ 

Hohe Anforderungen in Tunneln 

Die Anforderungen sind hoch, vor allem, wenn die Gehäuse in den Schnellfahrtunneln der Bahn eingebaut werden. Durch diese fahren ICEs mit teils mehr als 300 km/h und schieben dabei eine gewaltige Druckwelle vor sich her; hinter dem ICE herrscht dagegen Unterdruck. Begegnen sich Züge im Tunnel, werden die Druckverhältnisse noch härter. „Es hört sich seltsam an, aber nicht alle Tunnel liegen unterirdisch“, verdeutlicht Berndt, „im Bereich der Portale hängen unsere Gehäuse unter freiem Himmel und sind der Witterung sowie Temperaturen zwischen -20 und +40°C ausgesetzt. In den Tunneln selbst sind zwar die Temperaturen meist konstant, aber dafür ist viel Feuchtigkeit im Spiel.“ 

Für Hermos ist wichtig, dass die Gehäuse nicht nur den gegebenen Umgebungsbedingungen über einen Zeitraum von vielen Jahre standhalten. Das Unternehmen benötigt auch Zertifikate, welche die Einhaltung der entsprechenden Normen garantieren. Die Zertifizierung ist teils sehr aufwändig: So wird die Sog- und Druckfestigkeitsprüfung in einem Windkanal durchgeführt, wie er auch in der Automobilentwicklung genutzt wird. Rittal lässt diese Prüfungen für seine Produkte durchführen und liefert die notwendigen Zertifikate mit. 

Verfügbarkeit über viele Jahre 

Hermos-Geschäftsführer Demel erinnert sich: „Wir nutzen schon seit 1999 die Kunststoff-Schaltschränke von Rittal, weil diese alle Zertifizierungen haben, die wir wiederum beim Eisenbahn-Bundesamt für die Zulassung unserer Produkte einreichen müssen. So ist ein wichtiger Teil der Zulassung schnell erledigt – wir können die Zertifikate von Rittal einfach weitergeben und uns darauf verlassen, dass die Schränke das leisten, was in den Normen steht.“ 

Eine langfristige Verfügbarkeit ist ebenfalls gegeben: Mit der kürzlich eingeführten Serie AX Kunststoff hat Hermos in fast 25 Jahren erst die zweite Schaltschrankgeneration zertifizieren müssen. Berndt erläutert: „Jede Änderung an den Produkten zieht eine Neuzertifizierung durch die Deutsche Bahn nach sich, die neben einer aufwendigen Dokumentenprüfung einen einjährigen Praxistest umfasst. Das bedeutet: Wenn wir bei einem Wechsel im Lieferprogramm nicht mindestens ein Jahr Vorlauf haben, können wir für längere Zeit keine Produkte mehr an die Kunden ausliefern.“ 

Mit den neuen Kunststoff-Gehäusen bietet Rittal eine optimale Lösung für den Outdoor-Bereich: Die Schränke sind aus halogenfreiem Material, sodass bei einem Brand keine korrosiven und toxischen Gase entstehen. Sie erfüllen die Norm UL 94 V-0 im Brandverhalten sowie das UL F1-Outdoor-Rating, haben die UL-Zulassung für Industrieschränke, der gekapselte Bereich Schutzart bis IP 66/NEMA 4 X und Schutzisolierung der Klasse II. 

Serie hält Belastungen aus 

Dank der robusten Bauweise und der stabilen Konstruktion hält die AX Reihe aggressiven Umgebungen, Feuchtigkeit sowie Sog- und Druckbelastung stand. Auch gegen umherfliegende Partikel sind die empfindlichen Elektronikschaltungen im Innern der Schränke bestens geschützt. Zahlreiche Befestigungsdome im Gehäuse ermöglichen einen individuellen Innenausbau im 25-mm-Maßraster, beispielsweise mit Chassis und Schienen.  

Die ersten Erfahrungen mit der AX Reihe sind gut, so Berndt: „Die AX Gehäuse sind noch robuster als die Vorgänger. So sind etwa die Verschlüsse und Scharniere aus Metall statt aus Kunststoff – das macht auch einen wertigeren Eindruck. Anfangs hatten wir wegen der hohen Sog- und Druckbelastung ein Sondergehäuse mit zwei Verschlüssen getestet. Es zeigte sich aber, dass ein Seriengehäuse mit einem Verschluss die Belastungen ebenso gut aushält – was natürlich wesentlich preiswerter ist und den Lieferprozess vereinfacht.“  

Zudem sind die Montagepunkte der AX Reihe deutlich massiver als die des Vorgängermodells – statt acht Verschraubungen reichen nun vier Befestigungspunkte, um das Gehäuse bei allen Belastungen sicher an seinem Platz zu halten. „Es verkürzt die Montagezeit beträchtlich, wenn man nur halb so viele Verschraubungen anziehen muss“, sagt Berndt. 

Lieferfähigkeit unerlässlich 

Die Lieferfähigkeit ist für Hermos ebenfalls ein entscheidender Gesichtspunkt bei der Lieferantenwahl, denn das Zeitfenster, in dem die Monteure die Produkte in den Tunnel einbauen können, ist sehr eng. Demel erläutert: „Der Tunnelbau ist knapp getaktet, oft wird rund um die Uhr gearbeitet, und wir haben nur wenige Tage Zeit für den Einbau. Da müssen die Geräte rechtzeitig fertig werden – eine Herausforderung, wenn in einem Tunnel mehrere Hundert Gehäuse verbaut sind. Rittal liefert zuverlässig innerhalb von acht Wochen, was wiederum kein zeitliches Problem ist, weil der Vorlauf recht lang ist. Termintreue ist uns wichtiger als ein Tag weniger Lieferzeit.“  

Demel schließt: „Wir nutzen die Kunststoffgehäuse von Rittal seit 1999 und haben nur gute Erfahrungen damit gemacht. Das ist wichtig, denn einen Schnellfahrtunnel kann man nicht ‚mal schnell‘ betreten, um einen Defekt zu beheben – man muss sich auf die Komponenten, die man einsetzt, blind verlassen können. Robuste Produkte, umfassende Zertifizierungen und hohe Liefertermintreue – das sind Schlüsselfaktoren, die auch unseren Unternehmenserfolg unterstützen.“ 

Autor: Ralf Steck, freier Fachjournalist 

Bilder: Rittal, Hermos

Auf dem Stützelberg
35745 Herborn
DEUTSCHLAND
RITTAL in Social Media:
Teilen

Fachartikel Automatisieren