Stromverteilung

Mehr Power mit Plattform

Mehr Power mit Plattform

Mit RiLineX hat Rittal eine neue, offene Plattform für die noch schnellere Stromverteilung geschaffen - mit einem Effizienzgewinn bis zu 75 Prozent. 

Der Aufbau der Stromverteilungstechnik in Schaltschränken ist ein echter Zeitfresser. Planung und Montage sind für Anlagenbauer oft komplex, nicht selten fehlen entsprechende Fachkräfte. Auch die seit Anfang der 2 000er-Jahre etablierte 60mm-Stromschienentechnik lässt in der Praxis noch manche Wünsche offen. Obwohl sie sich aufgrund zahlreicher Vorteile gegenüber der 1:1-Verkabelung im Schaltschrank vor allem in Europa etabliert hat, gibt es mittlerweile einen deutlichen Bedarf zur Weiterentwicklung – zum Beispiel bei der Dimensionierung der Sammelschienen. 

Bisher: Platz- und Zeitverlust 

Denn bislang müssen die im Abstand von 60 Millimetern angeordneten Flachkupferschienen mit entsprechenden Haltern je nach notwendiger Kurzschlussfestigkeit im projektspezifischen Abstand montiert werden. An diesen Stellen können allerdings keine Aufbaukomponenten montiert werden. Der Platzverlust muss bereits bei der Planung berücksichtigt werden. Zudem stellen offen liegende Kontakte eine Gefahr dar.  

Um Mensch und Technik zu schützen, müssen vor Inbetriebnahme Kunststoffabdeckungen zeitaufwändig zurechtgeschnitten werden. Ausschuss und Kunststoffabfall sind die Folge: Im Schnitt fallen pro System 1,9 kg Abfall an überschüssigem Kunststoff durch Zusägen der Berührungsschutz-Abdeckungen an.  

Halterplaung war gestern 

Mit der neuen Stromverteilungsplattform RiLineX von Rittal gehören die aufwändige Planung der Auslegung, der Platzverlust beim Aufbau der Komponenten und das Zusägen der Schutzabdeckungen der Vergangenheit an. Da im neuen Sammelschienensystem die Kupferschienen ohne spezielle Halterungen direkt im Board verbaut sind, lassen sich die Aufbau-Komponenten einfach durchgängig planen und montieren. Auch das komplizierte Sägen ist nicht mehr notwendig. Die Abdeckung bleibt von vornherein durchgängig im System über den Schienen und schützt vor versehentlichen Berührungen. 

Zertifiziert ist der Berührungsschutz nach der Schutzart IP2XB. Damit wird das Eindringen von Fremdkörpern mit einem Durchmesser von 12 Millimetern oder mehr verhindert. Frontseitig ist der Berührungsschutz zudem erweiterbar auf die Schutzart IP4XB. Dadurch schützt Rittal das System vor Fremdkörpern mit einem Durchmesser von 2,5 Millimetern oder mehr. Eine Berührung mit den Fingern ist in jedem Fall ausgeschlossen.  

Durch die Bauform kann Rittal das gesamte System schon auf eine Kurzschlussfestigkeit bis 65 kA vorprüfen, sodass sich sowohl die Planer wie auch die Anwender auf eine rundum sichere Lösung verlassen können. Geeignet ist RiLineX für Anwendungen im Bereich bis 1 000 V AC als auch für Gleichstrom bis ± 1 500 V DC. 

30 bis 75 Prozent schneller 

Die Lösung reduziert den Bearbeitungsaufwand von der Planung über die Montage bis hin zur Wartung signifikant und macht den Anlagenbau deutlich effizienter. Somit ergeben sich Einsparungen im Engineering von bis zu 30 Prozent und sogar bis zu 75 Prozent bei der Montage. Für eine einfache Installation sorgt ein innovatives Click-System für Boards und Komponenten. Damit werden modulare Lösungen je nach Projekt mit wenig Aufwand realisierbar. Dank dieser Modularität sind die Boards zudem wartungsfreundlich.  

Je nach Anwendung des Kunden bietet Rittal zwei verschiedene Ansätze und schafft damit mehr Flexibilität im Einsatz. Die RiLineX-Plattform ist einerseits als blitzschnell montierbares Komplettboard für Rittal AX Kompakt- und VX25-Anreihschränke bis 1 200 mm erhältlich, auch entsprechend im Schrank vormontiert. Dadurch eignet sich das Board ideal für Standardanwendungen, in denen die Anforderungen bereits im Vorfeld bekannt sind. Nutzer sparen damit Kosten, steigern die Übersichtlichkeit und können das System ohne spezielle Vorkenntnisse installieren.  

Flexibler denn je 

Volle Gestaltungfreiheit bietet hingegen die Ausführung als offener Modulbaukasten für den individuellen Systemaufbau bis 2,4 Meter oder auch darüber hinaus – auch flexibel per Anreihverbindung. Anwender benötigen nur die Länge der Montageplatte und können die Module in 200-Millimeter-Schritten individuell kombinieren. Dabei bleibt das Bohrmuster auf jeder Rittal-Standard-Montageplatte identisch. Für das System müssen dann nur noch Standard-Stromschienen zugeschnitten werden. Die Kupferschienen werden anschließend sicher im Board fixiert, sodass die Kurzschlussfestigkeit immer gewährleistet ist.  

Diese Variante ist auch als Bausatz ohne Schienen erhältlich. Gerade bei internationalen Anwendungen ist es wirtschaftlich und ökologisch von Vorteil, kein schweres Metall auf andere Kontinente zu verschiffen. Bei RiLineX sind die Boards einfach vor Ort mit günstigen Standardschienen aus Kupfer oder Aluminium in verschiedenen Querschnitten nutzbar.  

Auch eine Anreihung über mehrere Schränke hinweg ist selbst nachträglich kein Problem. In der Planung unterstützt Rittal die Anwender durch den neuen Ri4Power-Konfigurator.  

Vierpolig in die Zukunft 

Mit RiLineX will Rittal die Stromverteilung im Schaltschrank in die Zukunft führen. Zu Beginn wird das System als dreipolige Lösung bei Stromstärken bis 800 A verfügbar sein. Vollständig vierpolige Systeme werden zukünftig ebenso verfügbar sein. Zudem ist die Plattform für den Einsatz in Gleichstrom-Anwendungen geeignet, die vor allem im Bereich von effizienten Industrieanwendungen und erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle spielen.  

Zur Hannover Messe 2025 sind bereits alle relevanten Anschlussadapter, Sicherungen, Trenner und Co. für das System erhältlich. Rittal verfolgt dabei einen konsequenten Plattform-Ansatz: Hersteller von Geräten und Komponenten erhalten schon vor Verkaufsstart lizenzfrei die notwendigen Schnittstellen-Daten für die eigene Entwicklung passender Produkte.

„Schneller Aufbau smarter Infrastruktur“ 

Sie sehen die Prozesse im Maschinenbau als Vorbild und wollen die Standardisierung der Stromverteilung auch in der Energiebranche fördern. Was treibt sie an? 

Vor allem der klare Bedarf der Anwender. Das haben zahlreiche Gespräche mit unseren Kunden gezeigt. Das reicht vom klassischen Steuerungs- und Schaltanlagenbauer bis hin zur Energiespeicherindustrie, dem Photovoltaikanlagenerrichter oder der IT-Branche. Sie alle haben wachsenden Kostendruck bei steigender Komplexität und knappen Fachkräften. Auch wenn die Anwendungen sich unterscheiden, ähneln sich die Wege zur Optimierung: Den gesamten Prozess schon von der Planung an mit einer durchdachten Systemplattform und digitaler Integration im Engineering mit der Software unserer Schwesterfirma Eplan vereinfachen, dann die Montage durch standardisierte Komponenten beschleunigen. Standardisierung und Digitalisierung spielen anschließend auch im Betrieb und bei der Instandhaltung ihre Vorteile aus. Hier liegt eine wirtschaftliche Chance für viele Stakeholder und Gewerke rund um die Energiewende: Wer seinen Kunden auf dieses Weise hilft, die eigenen Prozesse zu beschleunigen und trotz knapper Fachkräfte den Durchsatz zu erhöhen, kann wachsen. 

Warum Plattform statt Schienensystem? 

Die seit Anfang der 2 000er-Jahre etablierte 60-mm-Stromschienentechnik hat damals große Fortschritte gebracht, aber lässt noch Wünsche offen – siehe Halterplanung. Neben mechanischen Vorteilen geht es bei RiLineX vor allem um ein neues Maß an Offenheit und Vielseitigkeit. Bereits vor dem Verkaufsstart haben wir ein Plattform-Ökosystem mit Technologiepartnern angestoßen. Hersteller von Geräten und Komponenten erhalten die notwendigen Schnittstellen-Daten für ihre Produktentwicklung „Ready for RiLineX“. Und schließlich macht Die Plattform durch die Gleichstromfähigkeit und die digitale Einbindung den schnellen Aufbau smarter Infrastruktur für die „All Electric Society“ möglich.  

Stichwort Gleichstrom: Wo sehen Sie die Zukunft? 

Gleichstrom liefert erhebliche Vorteile für die Industrie und für unsere Kunden, beispielsweise durch bessere Integration von erneuerbaren Energien in stabilen, offenen Netzen mit weniger Ressourcenverbrauch und Einspeiseleistung – ein relevanter Faktor für die Energiewende. Wir gehen von einer stark steigenden Verbreitung aus und treiben diese auch in Initiativen wie der Open DC Alliance (ODCA) beim ZVEI voran. Wichtig ist, den Anwendern schon heute Flexibilität und Zukunftssicherheit zu bieten. Daher stand bei der Entwicklung der Plattform nicht nur Gleichstromfähigkeit, sondern auch einfache Umrüstung von AC auf DC weit oben im Lastenheft. Auch unser Ökosystem aus Technology Partnern haben wir bewusst vielseitig angelegt und schon zum Verkaufsstart Experten für AC und DC an unserer Seite. 

Autoren: Hans Robert Koch, Rittal GmbH & Co.KG in Herborn, und Dr. Jörg Lantzsch, freier Journalist in Wiesbaden 

Bilder: Rittal GmbH & Co. KG 

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