Messe
„Nähe ist unser Erfolgsrezept“
Messe - Was macht eine Fachmesse heute erfolgreich? Tanja Waglöhner, COO von Easyfairs Deutschland, über regionale Nähe, echte Praxisrelevanz und warum die all about automation den Nerv der Branche trifft.
Die all about automation ist die aktuell am stärksten wachsende Veranstaltung im Bereich deutschsprachiger Automatisierungsmessen? Wie würden Sie in einem Satz erklären, was die all about automation von anderen Automationsmessen unterscheidet?
Die all about automation bringt Automatisierung dorthin, wo die Anwender sind – regional, einfach zugänglich, sehr nah an der Praxis und gleichzeitig mit einer hohen Dichte an relevanten Anbietern und Lösungen.
Einige sagen, Fachmessen seien durch digitale Formate überflüssig geworden – was würden Sie dieser These entgegnen, wenn Sie auf den Erfolg Ihrer Veranstaltungen blicken?
Wir nehmen Geld von den Ausstellern für unsere Leistungen. Warum sollten jährlich über 1700 Aussteller auf der all about automation ausstellen, wenn die „Einigen“ recht haben?
Über 23000 Besucher kommen jährlich zu den aaa-Messen. Warum sollten Sie Zeit investieren, wenn digitale Formate das Thema Messen überflüssig gemacht haben. Wegen des kostenfreien Kaffees?
Natürlich informieren wir uns heute digital, und das ist sinnvoll und richtig. Aber gerade bei erklärungsbedürftigen Technologien möchte ich eine Lösung sehen, Fragen stellen, mit Fachleuten sprechen und manchmal auch einfach gemeinsam vor einem Cobot oder einem Bauteil stehen.
Die all about automation ist stark regional ausgerichtet – wie wichtig sind regionale Schwerpunkte für die Industrie im Vergleich zu großen internationalen Messen?
Beides hat seine Berechtigung und erfüllt unterschiedliche Aufgaben. Internationale Leitmessen sind wichtig, um einen Markt in seiner gesamten Breite zu sehen, internationale Kontakte zu pflegen und große technologische Entwicklungen zu beobachten. Die all about automation setzt bewusst an einer anderen Stelle an. Viele Investitionsentscheidungen entstehen regional. Maschinenbauer, Systemintegratoren, Komponentenhersteller und Anwender arbeiten oft über viele Jahre miteinander. Genau diese Netzwerke bringen wir zusammen.
Ist es für ein regionales Messeformat schwierig, sich gegen die „Big Player“ zu behaupten – oder ist das gerade ein Vorteil?
Wir spielen eine andere Sportart. Die all about automation ist keine kleine Version der großen Messen, sondern ein eigenständiges Konzept mit einer klaren Zielsetzung: den regionalen Vertrieb zu unterstützen. Wenn wir das gut machen, erkennen auch die Besucher, dass sich zwei oder drei Messebesuche im Jahr lohnen: zu den großen Messen für die großen Linien, Trends und beeindruckenden Auftritte – und zur Lieblingsmesse vor der Haustür für das Netzwerk und die konkreten Projektgespräche.
Der Standort spielt sicherlich auch immer eine entscheidende Rolle. Welche strategischen Kriterien entscheiden dabei über neue Messestandorte wie z.B. Berlin, Wels oder Graz?
Wir hören auf unsere Aussteller, analysieren die industrielle Struktur einer Region und schauen uns das bestehende Messeangebot ebenso genau an wie Einzugsgebiete und mögliche Überschneidungen mit unseren anderen Standorten. Die all about automation folgt dabei keiner klassischen Messelandkarte, sondern dem Bedarf ihrer Aussteller, der Stärke industrieller Regionen und den dort gewachsenen Netzwerken.
Spielen dabei auch Aspekte der Nachhaltigkeit einer Veranstaltung eine Rolle?
Ja, absolut. Zwei Elemente der Easyfairs Messen zahlen ganz unmittelbar darauf ein. Durch unseren regionalen Ansatz sind die Anreisewege für viele Besucher sehr kurz. Easyfairs-weit liegt die mediane Anreisedistanz bei nur 50 km. Gleichzeitig setzen wir konsequent auf modularen Systemstandbau. Die Standelemente werden mehrmals eingesetzt und gebündelt transportiert. Das reduziert Materialverbrauch, Abfall und Transportaufwand ganz erheblich. Nachhaltigkeit ist damit nicht etwas, das wir dem Messekonzept zusätzlich aufsetzen – sie steckt in wesentlichen Teilen bereits im Konzept selbst.
Kommen wir zum Ausstellerprogramm: Welche Themen sind aktuell die größten Treiber im Bereich Automatisierung, und wie spiegelt sich das im Messeprogramm wider?
Wir sehen derzeit mehrere Entwicklungen gleichzeitig. Robotik wird für immer mehr Anwendungen wirtschaftlich interessant. KI beginnt, in sehr konkreten industriellen Anwendungen anzukommen. Gleichzeitig treiben die stärkere Vernetzung von Maschinen und Anlagen, OT-Security, Retrofit und Energieeffizienz viele Unternehmen sehr unmittelbar um.
KI, Robotik und Industrie 4.0 sind wiederkehrende Schlagworte – wie konkret sind diese für Ihre Besucher und Aussteller? Sind das die Game-Changer für Aussteller und Besucher in den kommenden Jahren?
Ich bin Messemacherin und keine Branchenexpertin. Unsere Aufgabe ist es, den Raum für diese Diskussion zu schaffen. Mit der all about automation wollen wir genau dort sein, wo aus Buzzwords konkrete Anwendungen werden. Die technologische Bewertung und die großen Zukunftsprognosen überlasse ich aber sehr gerne den Fachleuten. Das Interessante ist: Unsere Besucher kommen meist nicht mit der Frage „Welche Technologie ist gerade im Trend?“. Sie kommen mit einem konkreten Problem. Deshalb versuchen wir die Messethemen von der Anwendung aus zu denken und nicht vom Buzzword.
Noch ein kurzer Blick nach vorne: Welche Vision verfolgen Sie für die all about automation in den kommenden fünf Jahren?
Das haben wir gemeinsam im all about automation-Team erarbeitet: „Wir wollen der vertrauensvolle Treffpunkt für die Community der industriellen Automation sein. Regional an vielen Standorten – und zwischen den Messen auch digital als eine gemeinsame all about automation Community. Ein Ort, an dem Expertinnen und Experten zusammenkommen, Technologien in den richtigen Kontext gestellt werden und konkretes Geschäft entsteht. Wenn uns das gelingt, besuchen Automatisierungsprofis die all about automation nicht einfach nur, sondern fühlen sich als Teil einer Community, die die Branche gemeinsam voranbringt. Effizient. Persönlich. Immer relevant.“
Wenn Sie eine Botschaft an Entscheider in der Industrie senden könnten – eine Kernaussage, die unbedingt gehört werden sollte – welche wäre das?
Ärmel hochkrempeln, nachdenken und machen.
70469 Stuttgart
DEUTSCHLAND







easyfairs.com

























































































