Kabel

„Qualität steht vor Quantität“

Innovation, Präzision, Nachhaltigkeit – bei Tsubaki Kabelschlepp geht es um mehr als nur Kabel. Peter Sebastian Pütz, Vice President Marketing & Innovation, erklärt im Interview, wie Qualität vor Quantität gelingt, welchen Beitrag Recycling und 3D-Druck leisten und welchen Nutzen Kunden davon haben.

„Qualität vor Quantität“ – das ist ein Leitsatz von Tsubaki Kabelschlepp. Was bedeutet dieser konkret für Ihre tägliche Arbeit und letztlich auch für Ihre Kunden?

Für uns bedeutet das im Alltag, dass wir sehr genau hinschauen – sowohl in der Produktentwicklung als auch in der Produktion. Viele sagen heute: Wir müssen möglichst viel in möglichst kurzer Zeit produzieren. Wir gehen bewusst einen anderen Weg. Wir machen es lieber von Anfang an richtig. Dafür investieren wir im Vorfeld etwas mehr Zeit, stellen am Ende aber sicher, dass der Kunde ein hochwertiges, langlebiges und nachhaltiges Produkt erhält.

Trotz dieses Ansatzes benötigen Sie in der Entwicklung sogar weniger Zeit. Wie passt das zusammen?

Das liegt daran, dass wir unsere Prozesse an moderne Technologien angepasst haben und uns auch an neue Methoden herangetraut haben. Gerade der Spritzgussbereich und die Entwicklung von Spritzgusswerkzeugen sind sehr traditionelle Felder – die gibt es schon seit Jahrzehnten. Aber auch hier hat sich enorm viel getan. In den Bereichen Werkzeugentwicklung, Werkzeugherstellung, Produktentwicklung und Produktion nutzen wir diese neuen Möglichkeiten konsequent. Die Ergebnisse entsprechen unserem hohen Qualitätsanspruch – und machen die Prozesse gleichzeitig effizienter.

Qualität bedeutet bei Tsubaki Kabelschlepp auch, dass Sie stark an der Weiterentwicklung von Kunststoffen arbeitet. Da fließt viel Know-how hinein. Was tut sich aktuell in diesem Bereich?

Wir haben sehr viel ausprobiert und untersucht, vor allem sogenannte nachhaltige Kunststoffe. Viele davon haben definitiv ihre Daseinsberechtigung. Man darf aber nicht vergessen: Unsere Produkte sind mechanisch hoch belastet. Sie müssen zuverlässig funktionieren und lange halten. Biobasierte Kunststoffe oder ähnliche Materialien stoßen hier aktuell an ihre Grenzen. Deshalb haben wir uns entschieden, auf einen möglichst hohen Recyclinganteil zu setzen. So können wir nachhaltiger werden, ohne die Produktqualität zu gefährden. Und genau das ist für uns entscheidend: Qualität steht an erster Stelle.

Das heißt, für den industriellen Einsatz sind recycelte Kunststoffe sinnvoll?

Absolut. Wichtig ist dabei auch die saubere Trennung der Abfälle und die Sortenreinheit. Die Prozesse dahinter sind teilweise sehr aufwendig, aber sinnvoll und notwendig. Nur so kann Recycling auf einem qualitativ hohen Niveau funktionieren.

Sie beziehen recycelte Materialien von externen Quellen. Wie sieht es mit Ihren eigenen Produkten aus – kommen die auch zurück? Gibt es Rücknahmekonzepte?

Mit diesem Thema beschäftigen wir uns schon seit vielen Jahren. Die Herausforderung ist, dass die Einsatzbereiche von Energieketten extrem vielfältig sind. Wenn zum Beispiel eine Energiekette aus einer Eisengießerei oder einem Stahlwerk zurückkommt, ist sie oft stark mit Ölen und Fetten kontaminiert. Der Reinigungsprozess ist dann sehr aufwendig. Hinzu kommt die große Vielfalt an Kunststoffen. Wir können bei unseren eigenen Produkten genau sagen, welche Materialien enthalten sind. Bei Produkten von Wettbewerbern ist das nicht möglich. Schwarzer Kunststoff sieht oft gleich aus, aber was genau drinsteckt, weiß man nicht. Selbst mit Rücknahme bleibt am Ende oft unklar, wie das Material weiterverwendet werden kann – ohne aufwendige chemische Analysen.

Ein weiteres großes Thema in der Kunststofftechnik ist der 3D-Druck. Der Hype ist überall spürbar, privat wie industriell. Ihr nutzt die Technologie ja ebenfalls. Welche Vorteile bringt sie euch in der Produktentwicklung – und welchen Mehrwert hat der Kunde davon?

In der Produktentwicklung hilft uns der 3D-Druck enorm. Wir können sehr früh prüfen, wie sich ein Bauteil anfühlt, wie Teile zusammenpassen und wie sie sich montieren lassen. Im CAD sieht vieles perfekt aus – in der Realität zeigt sich dann oft, wo noch nachgebessert werden muss. Wir können frühzeitig Montageversuche durchführen, noch bevor es überhaupt ein Serienbauteil gibt. Das spart Zeit und reduziert Fehler. Für den Kunden bedeutet das geringere Entwicklungskosten, die sich letztlich auch im Produktpreis widerspiegeln.

Und darüber hinaus?

Darüber hinaus sind wir durch den 3D-Druck in der Lage, Kleinserien oder außergewöhnliche Bauteile anzubieten, die nicht in ein klassisches Serienprodukt passen – zum Beispiel Sonderteile oder spezielles Befestigungsmaterial. Das ist ein klarer Mehrwert für den Kunden, weil er passgenaue Lösungen erhält, ohne lange Entwicklungszeiten oder hohe Kosten.

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