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Antriebe

Nervenkitzel? Aber sicher!

Nervenkitzel? Aber sicher!

Wer das Gefühl des freien Flugs gefahrlos erleben will, ist beim Indoor Skydiving gut aufgehoben. Die erforderlichen hohen Luftgeschwindigkeiten und Volumenströme werden in vielen Windtunneln von Carbon-Ventilatoren von EVG Lufttechnik erzeugt. Die leistungsstarken Motoren und Frequenzumrichter für die Ventilatoren stammen von ABB.  

Der Traum des menschlichen Fliegens hat im Laufe der Menschheitsgeschichte viele Generationen und Kulturen in jedem Winkel unseres Planeten in den Bann gezogen. Ikarus ist an diesem Traum noch gescheitert, mit dem Trend Indoor Skydiving ist er heute aber für alle in greifbare Nähe gerückt.  

Indoor Skydiving wird als Sport und Freizeitvergnügen in vertikalen Windkanälen ausgeübt. Die Geschichte dieser Windtunnel reicht mehr als 70 Jahre zurück, als sie als Einrichtung für militärische Trainingszwecke und als Testkanal für die Luft- und Raumfahrt genutzt wurden. 

Ein bekannter Hersteller von Indoor-Skydiving-Anlagen ist die TTE GmbH, die Anlagen mit Windgeschwindigkeiten zwischen 240 km/h und 330 km/h auf der ganzen Welt baut. Die leistungsstarken Ventilatoren für ihre Windtunnel bezieht TTE von der EVG Lufttechnik GmbH. Neben den Ventilatoren stellt EVG dem Unternehmen die Nachleiter, die (Einström-)Düse, Motoren und Frequenzumrichter sowie bei Bedarf weiteres Zubehör zur Verfügung. EVG zählt zu den Pionieren in der Indoor-Skydiving-Branche. Der erste deutsche Indoor-Skydiving-Tunnel wurde im Jahr 2008 schon mit EVG-Axialventilatoren ausgestattet. 

ABB liefert die Antriebe 

Die erforderlichen leistungsstarken Motoren und Frequenzumrichter für den Antrieb und die Drehzahlregelung der Skydiving-Ventilatoren liefert ABB Motion. An den Ventilatoren werden üblicherweise Motoren für die Prozessindustrie aus dem ABB-Standardprogramm mit Leistungen zwischen 250 kW und 900 kW eingesetzt. 

Der Technologiekonzern liefert seit 2019 die Antriebe für die Carbon-Ventilatoren des Unternehmens. EVG-Vertriebsleiterin Alexandra Behrens beschreibt die Anforderungen an die Motoren und Frequenzumrichter: „Beide müssen langlebig sein und perfekt harmonieren. Unseren Kunden aus dem Ausland ist zudem wichtig, dass die Motoren von Lieferanten stammen, die international einen Namen haben wie ABB. Die Motoren- und Umrichterlieferanten müssen außerdem Zertifizierungen wie UL, CSA und NEMA vorweisen können.“   

Windalps bietet Nervenkitzel und Komfort 

Ein gemeinsames Projekt von TTE und EVG hat die Region Savoie in Frankreich um eine Attraktion reicher gemacht. In der Nähe von Chambéry wurde mit „Windalps“ ein attraktiver Indoor-Skydiving-Windkanal errichtet, der Nervenkitzel und Komfort gleichermaßen verspricht. Der Windtunnel mit Blick auf das Bauges-Massiv eignet sich für Einsteiger und Profis gleichermaßen und wird auch für internationale Wettbewerbe genutzt. 

Windalps bietet den Besuchern nicht nur einen Flug im Windtunnel, sondern auch Entspannung im angrenzenden Wellnessbereich. Aufgrund der baulichen Nähe des Windtunnels zum Wellnessbereich war der Faktor Lautstärke mit ausschlaggebend für die Auftragsvergabe. TTE kann in diesem Punkt mit dem TT45 ProFly in Double-Loop-Bauweise punkten. Der moderne Windtunnel – laut TTE der leiseste auf dem Markt – macht dabei keine Abstriche bei Leistung und Effizienz.  

Der Windalps-Windkanal ist mit vier Motoren für die Prozessindustrie von ABB mit je 400 kW Leistung ausgestattet. Sie treiben vier EVG-Skydiving-Ventilatoren mit Carbonschaufeln mit einem Durchmesser von 3,35 m an, die Luftgeschwindigkeiten von mehr als 300 km/h erzeugen.  

Ultra-Low Harmonic Drives regeln die Motoren 

Die Motoren für den Windalps-Windkanal sind zentral in den Ventilatoren verbaut. Sie sind umkapselt, damit der Wind mit möglichst geringem Widerstand an ihnen vorbeiströmen kann. Vier Ultra-Low Harmonic Drives ACS880-37 von ABB regeln die Motoren und sorgen dafür, dass es zu keinen Problemen mit Oberwellen kommt. Diese Frequenzumrichter reduzieren Oberschwingungen auf unter 3 % ohne zusätzliche Komponenten wie externe Filter oder spezielle Ausrüstungen. Sie beinhalten eine Komponente zur Verringerung von Oberschwingungen, einschließlich einer aktiven Einspeiseeinheit und eines integrierten Oberschwingungsfilters. 

Mithilfe der Frequenzumrichter lässt sich die Drehzahl der Ventilatoren an die jeweilige Fluglast anpassen, die sich aus der Anzahl und dem Gewicht der „fliegenden“ Personen ergibt. In einem großen Windtunnel können nämlich bis zu 30 Personen gleichzeitig fliegen. Der ACS880-37 erfüllt auch die hohen Anforderungen an die Sicherheit, die solche Anwendungen stellen. Der Industrial Drive verfügt standardmäßig über die Funktion „Sicher abgeschaltetes Drehmoment“ (STO), die mit Not-Aus-Tastern an der Anlage verdrahtet werden kann. 

„Die Qualität bei ABB stimmt und die Ersatzteilverfügbarkeit auch. Die Firma ist für die Langlebigkeit ihrer Produkte auf dem Markt bekannt. Der technische Support steht ebenfalls in der ersten Reihe“, so die EVG-Vertriebsleiterin. 

Carbonflügel bieten wichtige Vorteile 

Für seine Indoor-Skydiving-Ventilatoren hat EVG spezielle Carbonschaufeln entwickelt, die in Leistung, Effizienz und Strömungsqualität die Anforderungen der Windtunnel erfüllen. Sie bieten wichtige Vorteile: Die Ventilatoren laufen schneller an und lassen sich auch schneller abbremsen. Die Carbonschaufeln sind außerdem robuster als Flügel aus Stahl und erfordern weniger Antriebsenergie. Der sehr hohe Wirkungsgrad der Ventilatoren von nahe 90 % und die niedrigen Schallwerte resultieren aus der Geometrie der Schaufeln, die speziell auf Skydiving ausgelegt sind. 

Die Skydiving-Ventilatoren von EVG erzeugen einen Volumenstrom von bis zu 2 Millionen m³/h. Alexandra Behrens erläutert: „Durch die besonders leichten und stabilen Carbonschaufeln können wir ein breites Leistungsspektrum bei unseren Ventilatoren anbieten. Neben ihrer Leistungsfähigkeit und betrieblichen Flexibilität zeichnen sie sich durch hohe Laufruhe aus. Die Drehzahl kann kurzfristig verändert werden. Die Ventilatoren werden in verschiedenen Größen und Baureihen zur Verfügung gestellt, mit denen sich Flugkammern in verschiedenen Größen einfach realisieren lassen.“  

Indoor Skydiving eines Tages olympisch? 

Indoor Skydiving wird heutzutage von vielen Menschen auch als ambitionierter Sport betrieben, der mehrere Disziplinen umfasst. Diese sind nicht nur spannend anzuschauen, sondern würden sich – so der französische Fallschirmspringerverband – auch perfekt für Olympia eignen. Dessen Antrag auf Aufnahme in die Olympischen Spiele 2024 in Paris ist gescheitert. Aber wer weiß, vielleicht wird Indoor-Skydiving eines Tages doch noch olympisch? 

Autor: Michael Spuck, Produktmanager AC Drives, ABB Motion Deutschland 

Bilder: TTE; EVG Lufttechnik, ABB 

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