Fachartikel

Kalibrierung

Notwendiges Übel oder Qualitätsinstrument?

Notwendiges Übel oder Qualitätsinstrument?

In vielen Branchen unumgänglich, aber oft als lästige Pflicht empfunden. Doch ist sie wirklich nur ein notwendiges Übel oder kann sie als unverzichtbares Qualitätsinstrument betrachtet werden? Wir haben nachgefragt.

 

Thomas Meth,  SIKA Dr. Siebert & Kühn GmbH & Co. KG

Bei chirurgischen Eingriffen sind sterile Operationsbestecke entscheidend. Um Infektionen und Komplikationen zu verhindern, werden leistungsstarke Dampfsterilisatoren verwendet. Die genaue Temperaturmessung in der Sterilisationskammer ist entscheidend. Fühler müssen vor und nach der Messung kalibriert werden, rückführbar auf Normale. Obwohl eine Kalibrierung oft als lästige Aufgabe angesehen wird, ist die Kalibrierung ein unverzichtbares Instrument zur Gewährleistung der Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Qualität von Messungen und Tests. Je leichter und schneller die Kalibrieraufgabe erledigt ist, desto höher ist die Verlässlichkeit. Und hier kommen die Sika Trockenblock-Temperaturkalibratoren der TP Premium Serie ins Spiel. Sika TP Premium Temperaturkalibratoren machen dies schnell und einfach. Sie bieten intuitive Bedienung, Touchscreen, automatische Prüfaufgaben und offenes Kommunikationsprotokoll. Daten sind auf verschiedenen Geräten verfügbar. TP Premium deckt - 55 bis + 700 °C ab und entspricht den EURAMET/cg-13-Richtlinien und internationalen Standards.

Peter Koller, EC Sense GmbH

Die Kalibrierung von Gassensoren spielt eine entscheidende Rolle in der Herstellung. Dank einer automatisierten Produktionsanlage für elektrochemische Polymersensoren kann nahezu sichergestellt werden, dass die Sensoren ihre Messaufgabe, egal für welches Gas, erfüllen werden. Dennoch ist die endgültige Bestätigung dieser Leistung nur durch eine Gaskalibrierung möglich. Diese ist nicht eindeutig definiert. Häufig wird Kalibriergas aus zertifizierten Gasflaschen verwendet. Diese Art der Kalibrierung eignet sich jedoch kaum für Gassensoren, die die Qualität der Außen- oder Innenraumluft erfassen sollen. Dies liegt daran, dass diese Gase trockene Luft ohne Feuchtigkeit bei 0 % aufweisen und oft in Stickstoff verdünnt sind. In der Realität werden jedoch Schadgase in Luft mit relativer Luftfeuchtigkeit zwischen 15 und 95 % gemessen. EC-Sense führt eine hochprofessionelle Gaskalibrierung unter Einbeziehung der Luftfeuchtigkeit und des Zielgases in einer sauberen Luftumgebung durch, was die Genauigkeit des Sensors erheblich verbessert. Im Zeitalter der digitalen Gassensoren können diese Daten direkt im Sensor gespeichert werden. So können Benutzer sicher sein, dass die gemessenen Werte korrekt sind.

Holger Piscator, Althen GmbH

Nicht immer ist eine Standard-Kalibrierung unter Laborbedingungen die richtige Wahl. Zum Beispiel bei der Kraftkali­brierung von speziellen Prüfgeräten für die Qualitätssicherung von Produktionsteilen führt dies häufig zu gravierenden Ungenauigkeiten. Wie erfolgt die Kalibrierung gewöhnlich?  Der Messwertaufnehmer wird aus dem Prüfgerät ausgebaut und zur Kalibrierung gesendet. Diese erfolgt im Labor unter optimalen Bedingungen. Der Anwender erhält ein rückführbares Zertifikat über die Funktion des Sensors und die Konformität gemäß Herstellerspezifikation. Dies entspricht jedoch häufig nicht den wahren Bedingungen und Messergebnissen des Prüfgerätes in der Praxis. Denn die Einbauposition, die Aufnehmerbauform, eine nicht exakt zentrische und senkrechte Krafteinleitung, konstruktionsbedinge Kraftnebenschlüsse und der mechanische Aufbau des gesamten Prüfgerätes können einen erheblichen Einfluss auf das Ergebnis haben. In solchen Fällen ist es sinnvoll, die Kalibrierung der Messtechnik im eingebauten Zustand durchzuführen. Grundsätzlich sollte sie immer so praxisnah wie möglich erfolgen, nur dann hat das Kalibrierzertifikat auch einen wirklichen Wert sowie Aussagekraft und ermöglicht eine hohe Qualität.

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