igus:bike
Kunststoff in Bewegung: Das igus:bike auf Weltreise
Das Vollkunststoff-Fahrrad aus recycelten Fischernetzen von Igus vereint Kunststofftechnologie, Kreislaufwirtschaft und Fahrspaß. Aktuell stellt es seine Robustheit auf einer Welttournee unter realen Alltagsbedingungen unter Beweis.
Aus dem Kunststoffabfall von gestern die nachhaltige Mobilität von morgen gestalten: Mit dieser Vision hat der Kunststoffspezialist Igus das igus:bike entwickelt: das weltweit erste serientaugliche Fahrrad, das zu über 90 Prozent aus Kunststoff besteht – 50% davon aus Recyclingmaterial wie alten Fischernetzen. Testreihen für 75% laufen, langfristig sollen es 100 Prozent werden. Ziel des Projekts ist es, Kunststoffe aus Deponien und Meeren weltweit zurück in einen Wertstoffkreislauf zu bringen. „Mit dem igus:bike haben wir 2022 noch ein Konzept vorgestellt. Zwei Jahre später, haben wir ein serienfertiges Single-Speed-Bike mit dem Namen RCYL auf den Markt gebracht“, sagt Jens Boldt, Leiter Geschäftsbereich igus:bike bei Igus. „Wir sprechen es auf Englisch wie R(e)CYL (deutsch: Rißeil) aus. Der Name repräsentiert vor allem den Recyclinganteil und den Nachhaltigkeitsgedanken des Fahrrads.“ Das igus:bike bleibt als ständiges Entwicklungsprojekt erhalten. Das Citybike steht für viele Vorteile der Igus Produkte, der sogenannten motion plastics: Es ist leicht, rostet nicht, braucht kein Schmieröl und ist nahezu wartungsfrei. Auch Kugellager, Antrieb und Freilauf benötigen keinerlei Schmierung, da sie aus schmier- und rostfreien wie auch recyclebaren Hochleistungskunststoffen von Igus gefertigt sind.
Weltreise als Härtetest
Seit dem 15. Oktober 2024, dem 60-jährigen Firmenjubiläum von Igus, ist das Fahrrad auf Welttournee und zeigt exemplarisch, wie die Transformation zu einer zukunftsfähigen Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen gelingen kann. Knapp 4.000 km hat es inzwischen zurückgelegt und dabei 24 Länder und diverse Kontinente durchquert. Das igus:bike besucht dabei unterschiedlichste Kundenanwendungen und Partner – von Krananlagen mit robusten Energieketten bis hin zu Lebensmittelherstellern, die auf schmierfreie Lineartechnik setzen. Die zahlreichen Anwendungen zeigen, wie motion plastics Produkte in den verschiedensten Branchen für langlebige, wartungsfreie und nachhaltige Lösungen sorgen. Der Startschuss der Tour fiel im neuen Fabrikgebäude auf dem Werksgelände von Igus in Köln Porz-Lind.
Direkt zu Beginn machte das Fahrrad Halt am Kölner Dom sowie an der „Rheinkrake“. Die schwimmende Müllfalle auf Höhe der Zoobrücke fängt jährlich mehrere Tonnen Müll im Rhein ab, damit er nicht im Naturschutzgebiet Wattenmeer landet. Einen Teil des Plastikmülls nutzt der motion plastics Spezialist als Rohstoff für das Kunststoff-Fahrrad. Im Anschluss besuchte das Citybike zahlreiche Stationen und Wahrzeichen in ganz Deutschland. Vom Brandenburger Tor in Berlin über die iMSPO Landstromanlage von Igus am Hamburger Hafen und Fluggastbrücken am Frankfurter Flughafen bis hin zu Schloss Neuschwanstein im Alpenvorland. „Wir möchten Industriekunden, Partnern, Medienvertretern und Verbrauchern zeigen, dass neuartige urbane Mobilität die Bekämpfung der globalen Plastikfluten vorantreiben kann“, erklärt Jens Boldt.
Von Deutschland nach Asien, quer durch Europa und Amerika
Nach dem Tourauftakt in Deutschland ging es für das igus:bike nach Asien. Es meisterte die Skyline von Singapur inklusive tropischen Regenschauern, durchquerte die lebhaften Straßen von Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam, fuhr durch Taiwans malerische Landschaften und erlebte die eindrucksvollen Tempelanlagen Indiens. In Südkorea rollte das Fahrrad durch futuristische Stadtlandschaften und in Japan begegnete es der perfekten Symbiose aus Tradition und Technologie. Nach der letzten Etappe entlang der Chinesischen Mauer setzte das Fahrrad seine Reise in Europa fort. Es besuchte zahlreiche Stationen in Österreich, der Schweiz, Spanien, Italien, Frankreich, Portugal, Großbritannien, Polen, Ungarn, der Slowakei, der Tschechischen Republik, Dänemark, der Niederlande und Belgien. Von Santiago de Compostela, dem Ziel des weltberühmten Pilgerwegs Camino de Santiago, über den schiefen Turm von Pisa und den Eiffelturm in Paris, entlang der Themse in London, bis hin zu Mozarts Heimatstadt Salzburg sowie Budapests Parlamentsgebäude. Im Oktober 2025 ging es dann auf Reisen quer durch die USA: durch Bergpässe in Colorado, zu roten Felsenschluchten in Utah, ins Getümmel von Las Vegas, entlang der kalifornischen Küste, bis zur Ostküste nach Rhode Island, der Heimat von Igus Inc. USA. Als nächstes tourt das Bike durch Mexiko und Brasilien.
Alte Fischernetze werden zu nachhaltigen Fahrrädern
Produziert wird das Kunststoff-Fahrrad von Igus selbst in Köln. Das Unternehmen fertigt die einzelnen Komponenten im Rotationsguss- und Spritzgussverfahren – vom Rahmen über die Lager bis hin zum Antrieb. Bereits seit mehr als 30 Jahren stellt das Unternehmen auch hochstabile Komponenten wie Gleitlager für die Fahrradindustrie her. Dabei profitiert Igus von seiner über 60-jährigen Kunststoffexpertise. Bevor das Fahrrad auf der Straße fährt, werden jedoch alle Komponenten ausgiebig im eigenen Testlabor geprüft. Das Entwicklungsteam testet und optimiert die Komponenten so lange, bis die maximale Lebensdauer und Sicherheit gewährleistet ist. Materialforschern ist es zudem gelungen, den Anteil des zugemischten recycelten Kunststoffs seit Entwicklungsstart des RCYL Bikes schrittweise auf mittlerweile 50% zu erhöhen – Tendenz steigend. So wird es möglich, ausgediente Fischernetze und anderen Plastikmüll zu Regranulat für die Rotationsgussmaschinen aufzuarbeiten und in eine wertvolle Ressource zu verwandeln. Der steigende Recyclinganteil pro Komponente zeigt: Qualitätsanforderungen und Kreislaufwirtschaft lassen sich verbinden, wenn Materialentwicklung und Fertigung eng verzahnt sind. Das RCYL Bike kann sowohl die Mobilität in Städten als auch auf Campingplätzen, Hotels, Messen und Firmengeländen revolutionieren. Dass die Idee trägt, beweisen nicht nur die igus:bike Welttournee, sondern auch reale Anwendungen. Das marktreife RCYL Single Speed ist bereits im Einsatz – unter anderem bei einem Hotel in Düsseldorf und an einer Universität. Auf Basis dieser Praxiserfahrungen wird die Fahrradserie kontinuierlich optimiert.
Nächster Schritt: Das RCYL E-Bike
Parallel zum Single‑Speed‑Modell arbeitet Igus an einem E‑Bike aus Kunststoff. Die Entwicklung befindet sich derzeit in der Designphase, ein erster Prototyp ist bereits realisiert. Für eine skalierbare und präzise Produktion entwickelt und baut Igus weitere, eigene Maschinen und plant die Integration von Industrierobotern – etwa für Nacharbeiten. Auch in den eigens entwickelten Maschinen kommen Igus Komponenten zum Einsatz, um kostengünstig und wartungsfrei zu produzieren. Zur Eurobike 2026 will das Unternehmen fünf E‑Bike‑Prototypen präsentieren und für Testfahrten zur Verfügung stellen. Das Ziel: die nachhaltige, wartungsarme Philosophie des RCYL Bikes konsequent in das elektrifizierte Segment übertragen – mit derselben Innovationskraft hinsichtlich Material, Fertigung und Alltagstauglichkeit.
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