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Storytelling auf zwei Rädern
Warum wird eine Fahrradtour zum journalistischen Experiment? Dirk Schaar erklärt im Interview mit Ulla Winter, wie die igus:bike-Tour von igus Technik erlebbar macht, Storytelling neu denkt – und warum echte Geschichten erst entstehen, wenn man sie selbst erfährt.
Wie viel Planung braucht so ein Projekt – und wie viel Raum lässt du bewusst für Spontanität?
So ein Projekt braucht natürlich Planung – aber nicht bis ins letzte Detail. Die Idee zur Tour ist über Monate gereift, im Team ebenso, und wir haben mit Anja Görtz-Olscher und Selina Papers aus der igus-Presseabteilung starke Sparringspartnerinnen, die das Konzept mittragen und mitdenken. Hinzu kommt Jens Boldt, Head of Business Unit igus:Bike, der sich um unsere Ausrüstung rund ums Fahrrad kümmert. Entsprechend fließt viel Vorbereitung in Organisation, Ablauf und Inhalte, und das wird sich bis kurz vor dem Start auch weiterentwickeln. Gleichzeitig lasse ich bewusst viel Raum für Spontanität. Wir fahren die Strecke nicht vorab, und genau das ist Teil des Konzepts. Unterwegs werden Dinge passieren, an denen wir spontan anhalten, neue Ideen für Videos oder Fotos entwickeln oder das Bike einfach anders einsetzen, als ursprünglich geplant. Auch mit unserer fotografischen Begleitung entstehen solche Momente ganz automatisch. Diese Mischung aus klarer Vorbereitung und offenem Erleben macht für mich den Reiz der Tour aus – und sorgt am Ende für die besten Geschichten.
Was macht für dich den Reiz aus, eine Geschichte nicht nur von der Ferne aus zu begleiten, sondern sie selbst zu „erfahren“?
Für mich liegt der Reiz genau darin, den Schreibtisch zu verlassen und Geschichten wirklich zu erleben. Journalismus funktioniert nicht aus der Distanz – wer nur sitzen bleibt, verpasst das Wesentliche. Ich möchte eine Tour so erfahren, wie ich es schon früher getan habe: unterwegs sein, Teil des Geschehens werden und die Eindrücke unmittelbar aufnehmen. Erst wenn man selbst erlebt, was passiert, entstehen Geschichten mit Tiefe und Glaubwürdigkeit. Genau diese Erfahrungen will ich den Leserinnen und Lesern weitergeben – nicht als Beobachter aus der Ferne, sondern als jemand, der mittendrin war. Das ist für mich zeitgemäßes Storytelling – und davon brauchen wir eindeutig mehr.
Wenn du an den Start der geplanten Tour denkst – welches Gefühl überwiegt gerade?
Ganz klar: Vorfreude. Trotz – oder vielleicht gerade wegen – der vielen Arbeit überwiegt im Moment die Begeisterung. Es macht einfach Spaß, das Projekt zu entwickeln, neue Ideen entstehen ständig, Details werden weitergedacht und das Bild der Tour wird immer konkreter. Dazu kommt die Spannung auf das, was unterwegs passieren wird: die Etappen von Mainz über Boppard und Bonn bis nach Köln, die Begegnungen mit Kundinnen und Kunden, die Unterstützung durch igus Mitarbeitende auf einzelnen Strecken – und natürlich der Moment, wenn wir am Ende am Kölner Dom ankommen. Genau diese Mischung aus Planung, Erwartung und Offenheit für alles, was kommt, sorgt dafür, dass im Moment vor allem eines überwiegt: echte Vorfreude auf den Start der Tour am 5. Mai 2026.
Was muss passieren, damit du sagst: Diese Idee hat sich wirklich gelohnt?
Die Idee hat sich für mich wirklich gelohnt, wenn viele Menschen – sowohl unsere bestehenden Leserinnen und Leser als auch neue Zielgruppen – die Tour aktiv begleiten. Sei es über den Blog, Social Media oder andere Kanäle: wenn sie unsere Berichterstattung verfolgen, die Geschichten miterleben und dabei verstehen, wie technische Kunststoffe und andere Themen aus der Industrie spannend und anschaulich erzählt werden können. Kurz gesagt: wenn unsere Begeisterung für die Tour auf die Leserinnen und Leser überspringt und sie inspiriert, dann weiß ich, dass sich die Idee voll und ganz gelohnt hat.
Zum Schluss muss auch diese Frage erlaubt sein: Welche Herausforderungen erwartest du – körperlich, organisatorisch oder journalistisch?
Körperlich wird es sicher anstrengend (lacht). Wir fahren täglich 75 bis 80 Kilometer, und obwohl wir trainieren, sind wir keine Profiradfahrer. Das Fahrrad selbst ist mit seinem einen Gang eher für die City ausgelegt, nicht unbedingt für lange Strecken – Muskelkater und ein paar schmerzende Knochen gehören also sicher dazu. Aber: der Weg ist das Ziel, und rückblickend werden die Strapazen schnell vergessen sein. Organisatorisch sehe ich kaum Probleme. Wir haben ein starkes Team bei uns und bei igus, kurze Wege und klare Absprachen. Alles deutet darauf hin, dass die Abläufe reibungslos funktionieren werden. Journalistisch liegt die Herausforderung eher im Neuen und Spontanen: Wie erzählen wir die Story unterwegs? Wo halten wir an für Fotos oder Videos? Wie setzen wir unsere Technik optimal ein, etwa unsere neue 360-Grad-Kamera? Wir müssen flexibel reagieren, Inhalte spontan aufnehmen und gleichzeitig die Berichterstattung für Social Media und den Blog liefern. Alles in allem ist es eine große Herausforderung – aber genau das macht den Reiz aus, und wir sind überzeugt, dass wir sie meistern und daraus neue, spannende Formate für unsere Leserinnen und Leser entwickeln werden.
Dies ist der vierte und letzte Teil des Interviews mit Dirk Schaar.
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