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Cloud-Lösung trifft Standard-WMS

Cloud-Lösung trifft Standard-WMS

Als SAP-Partner analysiert Agisolo das SAP-Portfolio, um passende Systemarchitekturen zu identifizieren. Dabei wird das neue SAP Logistics Management (LGM) für kleinere Standorte mit dem etablierten SAP Extended Warehouse Management (EWM) verglichen, das weiterhin den Standard für komplexe Lager bildet. 

SAP LGM ist ein eigenständiges, cloud-natives neu konzipiertes Logistik-Modul auf der SAP Business Technology Platform (BTP). Es kombiniert Kernfunktionen der Lagerverwaltung mit Funktionen des Transportmanagements in einer einheitlichen Benutzeroberfläche. Unternehmen können gezielt nur die Funktionen aktivieren, die sie tatsächlich benötigen. Die Lösung deckt die wesentlichen Lagerprozesse ab – inklusive Bestandsführung und Kommissionierung – und bietet zugleich grundlegende Transportfunktionen wie Frachtvergabe an Dienstleister. 

SAP LGM wurde mit Blick auf überschaubare bis wenig komplexe Lager und Versandstandorte entwickelt. Typische Zielumgebungen sind zum Beispiel Fertigungslager, regionale Distributionsläger oder 3PL-Logistikhubs, die nur begrenzte Automatisierung einsetzen, aber dennoch Transparenz und Integration benötigen. Die Lösung wird als Software-as-a-Service (SaaS) bereitgestellt, was bedeutet, dass keine eigene lokale IT-Infrastruktur nötig ist und regelmäßige automatische Updates erfolgen. Die Benutzeroberfläche basiert auf SAP Fiori und integriert moderne Technologien wie den KI-gestützten Assistenten SAP Joule für zukünftige Automatisierung und Entscheidungsunterstützung. Insgesamt stehen bei LGM eine schnelle Implementierung (Projektlaufzeiten von wenigen Wochen statt Monaten), geringerer Anpassungsaufwand und eine enge Verzahnung mit dem SAP-Ökosystem im Vordergrund. 

Lagerverwaltung für komplexe Prozesse 

SAP EWM ist die etablierte Warehouse-Management-Lösung von SAP und wurde speziell für größere Lager mit mittelkomplexen bis komplexen Prozessen konzipiert. Es bietet einen äußerst breiten Funktionsumfang für die Lagerlogistik: vom Wareneingang mit Qualitätsprüfung über ausgefeilte Einlagerstrategien, Kommissionierung (inklusive Wellenplanung) und Verpackung bis zum Warenausgang und Versand. Zusätzlich unterstützt EWM Prozesse wie Cross-Docking, Nachschubsteuerung sowie die Anbindung von automatisierter Fördertechnik oder Robotik. Aufgrund dieses Umfangs und der hohen Flexibilität ist EWM prädestiniert für automatisierte Distributionszentren, Zentralläger und komplexere Fertigungsläger. Allerdings geht die Funktionsvielfalt mit einer höheren Implementierungsaufwands einher – EWM-Projekte sind typischerweise umfangreicher, erfordern detailliertere Prozessanalysen und Customizing und können mehrere Monate dauern. SAP EWM kann entweder in SAP S/4HANA integriert (embedded EWM) oder als eigenständige Instanz betrieben werden. 

Unterschiede im Überblick 

Obwohl beide Module dem Bereich Lagerlogistik zuzuordnen sind, unterscheiden sich SAP LGM und SAP EWM in Zielsetzung, Umfang und Technologie deutlich. Die folgende Gegenüberstellung fasst die wichtigsten Differenzen zusammen: 

Zielgruppe und Einsatzbereich: SAP LGM richtet sich an kleinere bis mittelgroße Lagerstandorte mit eher standardisierten Prozessen und begrenztem Durchsatz. Hier steht ein schneller, agiler Rollout im Vordergrund, um eine Digitalisierung der Lagerprozesse zu erreichen, wo selbst ein einfaches embedded basic EWM-Projekt überdimensioniert wäre. SAP EWM dagegen zielt auf großvolumige, komplexere Lager mit Automatisierung und vielfältigen Prozessanforderungen ab. EWM entfaltet seine Stärken insbesondere dort, wo Komplexität – etwa durch Automatisierung, oder anspruchsvolle Lagerstrategien – zu bewältigen ist. 

Funktionsumfang: SAP LGM deckt die grundlegenden Lagerabläufe ab (Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung, Versand) und beinhaltet auch einfache Transportmanagement-Funktionen wie Versandplanung für Paket-/Stückgut und Frachtausschreibung an Spediteure. Erweiterte Funktionen sind in LGM (noch) nicht verfügbar – z.B. keine Unterstützung für Qualitätsprüfungen, kein integriertes Handling von Gefahrgut, Seriennummern, keine Produktionsversorgung via MES-Integration und keine Steuerung automatisierter Lagertechnik. SAP EWM bietet hingegen den vollen Umfang an Lagerverwaltungs-Funktionalitäten: von spezialisierten Prozessen bis hin zur nahtlosen Anbindung von Förderanlagen.

Technologie und Architektur: SAP LGM ist eine reine Cloud-Lösung (SaaS) auf SAP BTP, die vollständig API-basiert und modular aufgebaut ist. Updates erfolgen kontinuierlich durch SAP, wodurch neue Funktionen laufend einfließen und die Lösung stets aktuell bleibt. EWM ist ebenfalls in das SAP-Ökosystem integrierbar, bedarf aber je nach Szenario zusätzlicher Schnittstellen oder Datenreplikation (z.B. Integration mit SAP ERP oder TM über Interfaces falls nicht embedded). 

Implementierungsaufwand und Flexibilität: SAP LGM punktet mit überschaubarer Projektgröße und schneller Wertschöpfung. Ein LGM-Rollout kann oft innerhalb weniger Wochen erfolgen, da der Funktionsumfang bewusst auf Standardprozesse beschränkt ist. Dies ermöglicht einen schnellen ROI und geringe Schulungsaufwände. SAP EWM erfordert demgegenüber einen höheren Implementierungsaufwand: Die Lösung ist mächtig und flexibel, was meist eine gründliche Prozessmodellierung und ggf. Erweiterungen nötig macht. Die Projektlaufzeiten für EWM können deshalb mehrere Monate betragen, je nach Komplexität der Lagerprozesse. In Bezug auf Skalierbarkeit gilt: EWM kann zwar ebenfalls in vielen Standorten ausgerollt werden, doch LGM erlaubt es, neue kleinere Lager oder Partner viel schneller anzubinden (z.B. neue Außenlager innerhalb kurzer Zeit).

Praxisbeispiele und Einsatzszenarien 

In der Praxis kann die Koexistenz von SAP LGM und SAP EWM je nach Lagerstruktur eines Unternehmens sinnvoll sein. Ein typisches Beispiel ist ein produzierendes Unternehmen mit einem zentralen Hauptlager und mehreren regionalen oder dezentralen Lagern: Während im hochautomatisierten Zentrallager SAP EWM für maximale Prozessoptimierung sorgt, könnten die kleineren regionalen Lager mit SAP LGM effizient digitalisiert werden. Durch diese Aufteilung erhält jedes Lager eine passende Lösung – EWM für das komplexe Hauptlager und LGM für die einfacheren Standorte – und alle Systeme sind dennoch innerhalb des SAP-Ökosystems integriert. 

SAP LGM schließt die Lücke zu komplexen EWM-Lösungen. Für die Wahl der passenden Architektur unterstützt agisolo bei der strategischen Evaluierung der Systemlandschaft. So wird sichergestellt, dass LGM und EWM effizient ineinandergreifen und an jedem Standort die operativ sinnvollste Lösung zum Einsatz kommt. 

Bilder: Agisolo 

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