Kennzeichnung
Etiketten sichern den Warenfluss
Ob Wareneingang, Lager, Kommissionierung oder Versand: Eine eindeutige Kennzeichnung ist die Basis für effiziente Logistikprozesse. cab beschreibt, welche Druckverfahren, Etiketten und Automatisierungslösungen sich für unterschiedliche Anwendungen eignen – und warum trägerlose Medien an Bedeutung gewinnen.
Die Anforderungen an die Kennzeichnung sind entlang der Lieferkette unterschiedlich. Während ein Versandetikett meist nur für die Dauer des Transports lesbar bleiben muss, sind Lager- und Produktkennzeichnungen häufig über Monate oder Jahre im Einsatz. Gleichzeitig müssen Informationen zuverlässig erfasst und mit den digitalen Systemen eines Unternehmens verknüpft werden. Die Auswahl des passenden Etiketts und Druckverfahrens wird damit zu einem wichtigen Bestandteil der Prozessgestaltung.
Unterschiedliche Anforderungen entlang der Logistik
Bereits beim Wareneingang treffen Unternehmen häufig auf unterschiedliche Etikettenformate, Barcodes und Informationsgehalte ihrer Lieferanten. Müssen Kennzeichnungen manuell geprüft oder neu erstellt werden, entstehen zusätzliche Arbeitsschritte. Automatisierte Lösungen können hier für einheitliche Standards und einen schnelleren Warenfluss sorgen.
Auch bei der Einlagerung spielt die eindeutige Identifikation eine zentrale Rolle. Regale, Fachböden, Bodenlagerplätze und Behälter benötigen Kennzeichen, die vom Lagerverwaltungssystem sicher erfasst werden können. Barcodes, Data-Matrix-Codes oder QR-Codes lassen sich dafür auf unterschiedliche Etikettenmaterialien aufbringen. Entscheidend ist, dass die Kennzeichnung auch bei mechanischer Belastung oder schwierigen Umgebungsbedingungen lesbar bleibt. Thermotransferdruck schafft das.
Bei Paletten kommen weitere Anforderungen hinzu. Die Kennzeichnung muss sowohl innerhalb des eigenen Lagers als auch beim Versand an Kunden eindeutig sein. Robuste Palettenetiketten müssen deshalb unter anderem der Stapelung, der Fördertechnik und gegebenenfalls einer Lagerung im Außenbereich standhalten.
In der innerbetrieblichen Logistik entscheidet die Lesbarkeit ebenfalls über die Prozessgeschwindigkeit. Handscanner, Wearables oder fahrzeugmontierte Terminals erfassen Barcodes und RFID-Tags und übertragen die Informationen unmittelbar an die jeweiligen Systeme. Die Kennzeichnungen auf Behältern und Ladungsträgern sind dabei häufig einer dauerhaften mechanischen Beanspruchung ausgesetzt.
Am Warenausgang stehen dagegen Geschwindigkeit und eine zuverlässige Zuordnung im Mittelpunkt. Versandetiketten enthalten typischerweise Empfängerinformationen, Barcodes und Routingdaten. Für diese kurzlebige Anwendung kann Thermodirektdruck ausreichen. Auf dem Transportweg müssen die Etiketten allerdings Förderanlagen, Sortierprozesse und Umschlaglager überstehen. Bei Lieferungen an große Handelspartner kommen zudem häufig detaillierte Vorgaben zur Gestaltung und Positionierung hinzu.
Druckverfahren passend zur Anwendung wählen
Ob Thermodirekt- oder Thermotransferdruck zum Einsatz kommt, hängt wesentlich von der vorgesehenen Lebensdauer der Kennzeichnung ab. Beim Thermodirektverfahren reagiert das speziell beschichtete Etikettenmaterial unmittelbar auf Wärme. Ein Farbband ist nicht erforderlich. Das macht den Prozess schnell und wirtschaftlich, allerdings sind die Drucke empfindlicher gegenüber Wärme, UV-Strahlung und Reibung.
Für Versandetiketten oder kurzfristig benötigte Kommissionierbelege ist das Verfahren deshalb gut geeignet. Anders sieht es bei dauerhaften Kennzeichnungen aus. Beim Thermotransferdruck werden Farbpigmente mithilfe eines Farbbandes auf das Etikettenmaterial übertragen. Je nach eingesetztem Farbband – von Wachs über Wachs-Harz-Kombinationen bis hin zu Harz – lassen sich unterschiedliche Beständigkeiten erzielen.
Die Drucke können dadurch unter anderem gegen Abrieb, Feuchtigkeit, Kälte, Hitze, Öle oder Chemikalien geschützt werden. Für Lager- und Produktkennzeichnungen, die über längere Zeit zuverlässig lesbar bleiben müssen, bietet sich dieses Verfahren entsprechend an. Viele industrielle Etikettendrucker lassen sich für beide Verfahren einsetzen und können damit unterschiedliche Aufgaben innerhalb eines Unternehmens abdecken.
Automatisierung reduziert manuelle Arbeit
Mit zunehmendem Warenaufkommen steigt auch der Bedarf an automatisierten Kennzeichnungslösungen. Industrielle Etikettendrucker an Kommissionier- und Packplätzen können die erforderlichen Medien bedarfsgerecht bereitstellen. Stationäre Druck- und Etikettiersysteme gehen einen Schritt weiter: Sie drucken die Informationen und bringen die Etiketten direkt im laufenden Prozess auf.
Eine solche Integration kann insbesondere bei hohen Stückzahlen Vorteile bringen. Etikettiergeräte, die direkt in Verpackungs- oder Produktionsanlagen eingebunden sind, reduzieren manuelle Eingriffe und unterstützen einen konstanten Durchsatz.
Auch RFID lässt sich mit dem Druckprozess verbinden. Bei sogenannten Smart Labels werden die integrierten Transponder unmittelbar vor dem Aufbringen beschrieben und geprüft. Fehlerhafte RFID-Tags können dabei automatisch erkannt und ausgeschleust werden. Damit lässt sich die physische Kennzeichnung mit zusätzlichen digitalen Informationen verknüpfen.
Linerless-Medien sparen Trägermaterial
Eine weitere Entwicklung betrifft den Aufbau der Etiketten selbst. Klassische Selbstklebeetiketten bestehen aus dem Obermaterial, einer Klebeschicht und einem Trägerpapier. Dieses sogenannte Liner muss nach dem Spenden entsorgt werden und fällt bei großen Etikettenmengen entsprechend ins Gewicht.
Linerless-Etiketten kommen ohne dieses Trägermaterial aus. Das Endlosmaterial wird bedruckt, auf die erforderliche Länge geschnitten und anschließend appliziert. Dadurch lässt sich der Materialverbrauch reduzieren. Gleichzeitig können mehr Etiketten auf einer Rolle untergebracht werden, wodurch sich Rollenwechsel und damit verbundene Unterbrechungen verringern.
Je nach Anwendung können Linerless-Rollen 40 bis 50% mehr Etiketten aufnehmen als vergleichbare konventionelle Medien. Beim Thermodirektdruck entfällt zudem das Farbband.
Für die trägerlose Kennzeichnung existieren unterschiedliche Materialkonzepte. Klassische Linerless-Materialien sind silikonbeschichtet, damit die Etiketten sich vom Endlosmaterial lösen lassen. Einen anderen Ansatz verfolgt das von cab gemeinsam mit Herma weiterentwickelte InNo-Liner-Material. Hier wird der Klebstoff erst durch zerstäubten Wasserdampf an einem speziellen Hubapplikator aktiviert. Dadurch kann auf eine silikonierte Oberfläche verzichtet werden.
Da Linerless-Material als Endlosbahn verarbeitet wird, lassen sich mit einer Rolle unterschiedlich lange Etiketten erzeugen. Ein Schneidemesser trennt das Material jeweils auf die benötigte Länge. Das schafft Flexibilität bei der Kennzeichnung von Kartons und anderen papierähnlichen Oberflächen.
Rückverfolgbarkeit verbindet Kennzeichnung und Daten
Eine moderne Kennzeichnungsstrategie endet jedoch nicht beim gedruckten Etikett. Für viele Unternehmen ist eine lückenlose Rückverfolgbarkeit inzwischen Bestandteil gesetzlicher Vorgaben, von Branchenstandards oder vertraglicher Anforderungen. Serien- und Chargennummern schaffen dabei die Verbindung zwischen einem physischen Produkt und den zugehörigen digitalen Informationen.
Wird jeder Scan unmittelbar im Warenwirtschafts- oder Lagerverwaltungssystem erfasst, lässt sich der Weg einer Ware nachvollziehen. Im Fall eines Qualitätsproblems können betroffene Chargen gezielt identifiziert und Rückrufaktionen auf die tatsächlich betroffenen Produkte begrenzt werden.
Nach Einschätzung von cab wird die Bedeutung solcher Kennzeichnungssysteme weiter zunehmen. Sinkende Kosten für RFID, eine zunehmende Automatisierung und der Trend zu trägerlosen Etiketten verändern die Anforderungen an die Technik. Gleichzeitig dürfte der geplante digitale Produktpass der Europäischen Union die Ansprüche an Datenträger, Datenverfügbarkeit und Druckqualität weiter erhöhen.
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