Materialtest
Sicherung der Konsistenz von Polymeren im großen Maßstab
Bei einer weltweiten Kunststoffproduktion von nahezu 450 Millionen Tonnen pro Jahr können selbst geringe Schwankungen in der Polymerqualität schnell zu Ausschuss, Maschinenstillständen oder gar Rückrufaktionen führen. In diesem Artikel erläutert Stephanie Williams, Senior Product Specialist beim führenden Materialprüfunternehmen Instron, warum der Schmelzflussindex-Test entscheidend ist, um Konsistenz und Effizienz in der Polymerverarbeitung sicherzustellen.
Der Schmelzflussindex-Test (MFT, Melt Flow Testing) ist im Wesentlichen eine präzise Messung der „Fließgeschwindigkeit“ eines Materials. Das geschmolzene Polymer wird unter standardisierten Bedingungen durch eine Düse gepresst, wodurch ein Schmelzflussindex (MFR, Melt Flow Rate) in Gramm pro zehn Minuten (g/10 min) ermittelt wird.
Ein hoher MFR kann das Füllen der Formen erleichtern und die Zykluszeiten verkürzen, aber er kann auch auf thermische Degradation hinweisen – insbesondere bei technischen Kunststoffen wie Polycarbonat oder ABS – und damit das Risiko für schwächere, zu Mikrorissen neigende Bauteile erhöhen. Ein niedriger MFR hingegen deutet auf robustere Molekülketten hin, führt aber zu höherer Viskosität sowie einer komplexeren und kostenintensiveren Verarbeitung. Im Qualitätsbereich ist der MFR zudem ein wertvoller Indikator für mögliche Nichtkonformitäten. Man denke an einen Compoundeur, der Polypropylen-Granulat für Automotive-Anwendungen erhält, das mit einem MFR von 12 g/10 min deklariert ist, im Test jedoch nur 3 g/10 min erreicht. Dies kann auf einen anderen Typ, ein höheres Molekulargewicht oder eine Mischung mit Recyclingmaterial und unbekannten Additiven hindeuten. Ohne geeignete Prüfung hätte diese Charge zu Fehlern wie Füllproblemen oder Verzug führen können. Dank der Kontrolle wurde das Problem frühzeitig erkannt und behoben, bevor zusätzliche Kosten entstanden.
Die Integration des MFT in die Wareneingangskontrolle ermöglicht Qualitätsteams eine schnelle Überprüfung der Materialspezifikationen, verhindert Produktionsprobleme und stärkt das Vertrauen in die Lieferanten. Zudem erlaubt der MFT, frühzeitig Abweichungen zwischen Chargen zu erkennen und rechtzeitig Korrekturmaßnahmen einzuleiten oder das Material vor Produktionsbeginn auszusondern.
Rezyklate und Mischungen
Da Nachhaltigkeit im Zentrum industrieller Strategien steht, steigt der Einsatz von recycelten oder gemischten Polymeren stark an. Prognosen zufolge wird der globale Markt für recycelte Kunststoffe bis 2032 einen Wert von 107 Milliarden US-Dollar erreichen. Dieser Wandel bringt jedoch eine höhere Variabilität hinsichtlich Zusammensetzung und Degradation mit sich, was konstante Prozesse und Leistungen noch wichtiger macht.
Der Melt Flow Test bietet eine schnelle und effektive Kontrolle. Zeigt eine Charge recycelten HDPE beispielsweise einen MFR von 25 g/10 min statt der erwarteten acht, ist wahrscheinlich Degradation oder Kontamination im Spiel. Zwar zeigt der Test nicht die genaue chemische Zusammensetzung, doch er kann nichtkonforme Chargen identifizieren, bevor sie in die Produktion gelangen.
Für Compoundeure ist die Überwachung des MFR entscheidend, um festzustellen, ob ein Material konform ist, gemischt werden muss oder verworfen werden sollte.
Der Melt Flow Test unterstützt auch die inline-Qualitätskontrolle. Ein Hersteller medizinischer Geräte erhielt beispielsweise Meldungen über Mikrorisse in vorgefüllten Spritzen nach dem Transport. Der MFT bestätigte, dass die verwendeten Pellets die Viskositätsspezifikationen einhielten, womit eine Materialabweichung ausgeschlossen werden konnte. Die Untersuchung verlagerte sich daraufhin auf den Produktionsprozess, wo eine ungleichmäßig beheizte Formkavität identifiziert wurde, die das Fließverhalten und die Wandfestigkeit beeinträchtigte.
Ohne den MFT wäre der Fehler möglicherweise fälschlicherweise dem Lieferanten zugeschrieben worden – mit Materialverschwendung und regulatorischen Herausforderungen. Zuverlässige, schnelle Ergebnisse ermöglichten stattdessen gezielte Maßnahmen und verhinderten zusätzliche Kosten.
MFT einfacher und zuverlässiger machen
Auch wenn die MFT-Protokolle den Normen ISO 1133 und ASTM D1238 folgen, kann die Benutzererfahrung stark variieren. Einige Geräte erfordern externe PCs, unterschiedliche Betriebssysteme und spezielle Software, was die betriebliche Komplexität und den Schulungsaufwand erhöht.
In Produktionsumgebungen mit hohem Volumen stehen Bediener häufig vor einer doppelten Lernkurve: einer für das Gerät und einer für die Software. Dies führt zu längeren Rüstzeiten, höherem Aufsichtsbedarf und einem erhöhten Risiko inkonsistenter Ergebnisse.
Instron begegnet diesen Herausforderungen durch die Integration einer grafischen Touchscreen-Oberfläche direkt im Gerät. Inspiriert von der Bluehill® Melt Software führt sie den Benutzer Schritt für Schritt mit klaren, intuitiven Anweisungen. Innerhalb weniger Minuten können Bediener geschult und einsatzbereit sein, wodurch Einheitlichkeit und Präzision über Schichten und Standorte hinweg gewährleistet werden – ohne zusätzlichen Schulungsaufwand. Systeme, die auf Software von Drittanbietern basieren, erhöhen dagegen die Komplexität und verlangsamen die Produktivität.
Das gleiche gilt für die Krafteinleitung. Viele Systeme verwenden heute Kraftmesszellen, die von ISO- und ASTM-Normen zugelassen sind. Dennoch betrachtet Instron die Anwendung einzelner Gewichte – wie ursprünglich in den Normen vorgesehen – weiterhin als präziser.
Dabei handelt es sich nicht um veraltete Technologie: Die Norm ASTM D1238 erkennt das Totgewicht als bevorzugte Referenzmethode an und legt fest, dass bei Abweichungen zwischen Laboren die mit dieser Methode erzielten Ergebnisse Vorrang haben. Kalibrierte Metallgewichte liefern eine konstante und feste Kraft, die nicht durch Signaldrift oder Kalibrierfehler beeinflusst wird.
Kraftmesszellen bieten mehr Flexibilität, erfordern aber häufigere Kalibrierungen und können empfindlich auf Materialschwankungen reagieren. Trotz fundierter Expertise in elektromechanischen Systemen setzt Instron auf Zuverlässigkeit und Normenkonformität und hält am Totgewicht als zentrale Lösung fest.
Angesichts der jährlich produzierten Millionen Tonnen Kunststoff ist die Sicherstellung einer konstanten Polymerqualität durch den Schmelzflussindex-Test entscheidend, um Abfall zu reduzieren und Fehler zu vermeiden.
Autorin: Stephanie Williams, Senior Product Specialist bei Instron




instron.com
























































































