Konstruktionselemente
Alles in Balance
Igus hilft dem Start-Up QuiMo dabei, den Alltag auf der Baustelle nachhaltig und emissionsfrei zu revolutionieren.
Segway meets Radlader: Das Konzept der schwäbischen QuiMo GmbH ist außergewöhnlich. Hinter dem einachsigen Multifunktionsfahrzeug verbirgt sich eine Baumaschine, die den Baustellenalltag künftig kräftig durchwirbeln könnte. Der Kölner motion plastics Experte Igus unterstützt das Start-Up als Sponsor mit Energieketten, Leitungen und schmierfreien Gleitlagern. Das senkt den Wartungsbedarf und ist eine wichtige Säule auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit in der Baubranche.
Wer in den vergangenen Jahren durch die Metropolen dieser Welt geschlendert ist, sah immer wieder Menschen auf außergewöhnlichen Fahrzeugen an sich vorbei rauschen. Ausgestattet mit einem Helm steuern sie Segways – motorisierte Einachsenfahrzeuge, die sich durch die Verlagerung des Gleichgewichts bewegen oder anhalten lassen. Zwar ist die Produktion der rollenden Elektrofahrzeuge mittlerweile eingestellt, das Konzept fasziniert Menschen wie Jonas Heinzler aber nach wie vor. Bereits 2018 hatte der Elektrotechnik-Student an der Universität Ulm die Idee, die innovative Technologie auf Baumaschinen zu übertragen. Herausgekommen ist QuiMo – kurz für „Quick Motion“. Bei QuiMo handelt es sich um einen 2-Rad-Lader, der auf einer Robotik-Plattform basiert. Im Gegensatz zu herkömmlichen Radladern wartet der QuiMo mit einer Vielzahl an Vorteilen, vom geringen Gewicht bis hin zur großen Wendigkeit, auf. Hinzu kommt ein zuverlässiger Elektroantrieb, der aufgrund seiner Emissionsfreiheit vor allem in Zukunft eine wichtige Rolle im Bauwesen spielen dürfte. Da QuiMo aber die erste Baumaschine ihrer Art ist, war Jonas Heinzler bereits früh auf der Suche nach Unterstützung, schließlich braucht es Unternehmen und Finanziers, die an das innovative Konzept glauben. Neben einer Vielzahl an Partnern aus der Industrie und der Baubranche sponsert auch das Kölner Unternehmen Igus das junge Start-Up mit den hauseigenen Energieketten, einer Auswahl an chainflex Leitungen sowie den wartungs- und schmierfreien igutex und iglidur Gleitlagern.
Eine kleine Revolution auf zwei Rädern
Nach den ersten Ideen gründete Jonas Heinzler 2020 das Unternehmen QuiMo. „Wir dachten, dass wir das niemals alleine machen können“, erinnert sich der Initiator. Also suchte er sich Unternehmen aus der Baumaschinenindustrie und stellte das Konzept vor. Die winkten zwar ab, Heinzler trieb das Projekt dennoch voran. Es folgten Partnerschaften mit Unternehmen wie der Ulmer InMach Intelligente Maschinen GmbH, die Steuerungssysteme für die Serienausstattung der OEMs von Arbeitsmaschinen und Anbaugeräten entwickelt. Mittlerweile ist auch Heinzlers ehemaliger Kommilitone Maximilian Wanner als mitverantwortlich für Elektrotechnik und Software der Maschine. Tatkräftige Unterstützung erhalten die beiden von Wolfgang Rebholz, Stiefvater von Jonas Heinzler, der nach jahrzehntelanger Tätigkeit als Maschinenbauingenieur bei einem großen Konzern nun als Mentor fungiert. „Wir sind generationsübergreifend ein gutes Team“, sagt Heinzler. Komplettiert wird QuiMo durch den Ulmer Professor für Neuartige Mobilitätslösungen Michael Buchholz. Dieser Schlagkraft ist es auch zu verdanken, dass QuiMo nach dem Start eines Förderprojekts Anfang Januar 2024 nur ein Jahr gebraucht hat, um einen Prototypen zu entwickeln. „Fast in Rekordzeit“, zeigt sich Jonas Heinzler stolz.
Kein Platz für Schmierung
Die schnelle Prototypentwicklung liegt auch an der Unterstützung durch Sponsoren wie Igus. Die Produkte des Unternehmens lösen eine Vielzahl an Herausforderungen für das junge Start-Up, was vor allem in der Wartungs- und Schmierfreiheit begründet liegt. Denn wo eine Schmierung stattfinden muss, dort entsteht ein Aufwand, der rund um den QuiMo nicht leistbar ist. „Ursprünglich dachten wir daran, Gelenke mit Schmiernippeln zu schmieren. Dafür ist im QuiMo allerdings gar kein Platz“, meint Wolfgang Rebholz. Hinzu kommt die Umweltproblematik, denn bereits ein ausgetretener Tropfen Öl kann im schlimmsten Fall bis zu 600 l an Wasser verunreinigen. In Zusammenarbeit mit Igus haben sich die Konstrukteure für zwei zylindrische Gleitlagerserien entschieden. Sie kommen in den Gelenken und Bolzenverbindungen zum Einsatz. Das igutex TX1 Gleitlager bietet eine sehr hohe Tragfähigkeit bei hohen Radiallasten in Kombination mit guter Abriebfestigkeit. Dank einer Langfaserwicklung ist es formstabil und aufgrund seiner hohen Schmutz- und Medienbeständigkeit besonders für den Einsatz auf der Baustelle geeignet. Das Gleitlager iglidur Z vereint Druckfestigkeit mit hoher Elastizität und wurde speziell für extreme Bedingungen entwickelt. Die Buchsen sind für Temperaturen bis 250° Celsius geeignet. „Die Gleitlager waren die optimale Lösung für viele unserer anfänglichen Probleme“, erinnert sich Rebholz.
Schnelle Montage und hohe Stabilität
Neben den Gleitlagern fand QuiMo zudem die passenden Leitungen für den Radlader im Igus Sortiment. Verbaut sind Motor-, Steuer-, Daten- und Busleitungen aus der chainflex Serie, die speziell für den dauerbewegten Einsatz konzipiert sind. Die Leitungen arbeiten so zuverlässig, dass Igus eine Garantie von bis zu vier Jahren darauf bietet. chainflex Leitungen erfüllen unterschiedliche internationale Normen und Zulassungen, die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: Mit einer großen Auswahl an verschiedenen Mantelwerkstoffen und unterschiedlichen Biegeradien bis 3 x d erhalten Anwenderinnen und Anwender hohe Flexibilität. Zur Führung der chainflex Leitungen nutzt QuiMo die e-kette E4.48l von Igus. Mit einer Innenhöhe von 48 mm und dem einfach zugänglichen Innenraum ist sie für eine Vielzahl an Anwendungen geeignet.
Die Igus Produkte sind ein zentraler Teil der rapiden Prototypenentwicklung. Für Jonas Heinzler gehört aber auch der enge Kontakt zu Volker Raither dazu, dem für QuiMo zuständigen technischen Verkaufsberater bei Igus. „Immer, wenn ich angerufen habe, habe ich direkt Hilfe bekommen“, weiß er. Der junge Unternehmer ist voll von den Produkten der Kölner überzeugt: „Igus ist als Marktführer für die bewegte Energieführung in Deutschland die erste Wahl.“ Igus Mitarbeiter Volker Raither freut vor allem die Innovationsoffenheit. „Wir kennen die Baumaschinenbranche gut und ich kann versichern, dass das Konzept sehr innovativ ist“, erläutert er. Gerade die Elektrifizierung halte konstant Einzug in die Baumaschinenindustrie.
Elektrische Baumaschinen? Kein Problem!
Das Start-Up bringt allerhand Argumente für das kompakte Fahrzeug: Aufgrund seines Elektromotors kommt QuiMo komplett ohne Emissionen für Abgase und Geräusche aus – im Gegensatz zu herkömmlichen Radladern, die nach wie vor überwiegend einen Dieselantrieb benötigen. „Wir zeigen, dass es elektrisch geht – auch bei Baumaschinen“, versichert Jonas Heinzler. Das ist wichtig, denn der Trend spricht eine eindeutige Sprache: Gemäß den aktuellen politischen Zielsetzungen dürfte es künftig notwendig sein, möglichst emissionsfrei zu bauen. Das ist vor allem in Städten von besonderer Bedeutung, wo die Platzverhältnisse begrenzt und teils viele Anwohnerinnen und Anwohner betroffen sind. Dort kommt ein weiterer Vorteil zum Zug: Wegen seines Aufbaus ist QuiMo wendig, leicht und geländegängig. Selbst auf engsten Platzverhältnissen kann sich QuiMo um 360° drehen. Der Radlader ist in Leichtbauweise umgesetzt, das Verhältnis von Nutzlast zu Eigengewicht ist 1:1, was auch den Transport zur Baustelle enorm vereinfacht. Herkömmliche Maschinen wiegen rund vier Tonnen, während QuiMo selbst nur 1,8 t wiegt und beinahe die gleiche Masse aufnehmen kann. Dieses Gesamtpaket könnte in der Branche hohe Wellen schlagen, denn: „Wir sparen etwa 40% Energie allein durch das reduzierte Eigengewicht ein“, so Heinzler. Die Kunststofflösungen von Igus leisten ihren Beitrag zum geringen Gewicht.
Mit Robotik gegen den Fachkräftemangel
Die vier Partner haben ein klares Ziel: QuiMo zur Marktreife zu bringen. Dabei geht es auch um die kontinuierliche Weiterentwicklung der Technologie. Dabei setzt die Firma QuiMo ihren Fokus auf die Software und möchte in Zukunft basierend auf der kostengünstigen Basisversion erweiterbare Softwareassistenzfunktionen anbieten. Bereits jetzt ist die Steuerung ein Arbeitsschwerpunkt, denn der QuiMo ist komplett ferngesteuert. „Robotisierung wird aufgrund des Fachkräftemangels immer wichtiger“, sagt der Geschäftsführer. Mit Mobilitätsforscher Michael Buchholz hat man zudem einen Experten rund um das Autonome Fahren im Team. Die Arbeit im Netzwerk steht für QuiMo immer im Vordergrund. Jonas Heinzler ist sich daher sicher, dass er weiter eng mit Sponsoren wie Igus zusammenarbeiten möchte. „Wir wollen die Partnerschaft mit Igus auch in der Serienfertigung weiterführen“, sagt der Schwabe.
Bilder: QuiMo GmbH und igus SE & Co. KG
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