Versorgungstechnik
Rohr- oder Schlauchleitungen?
Die Wahl zwischen Rohr- und Schlauchleitungen beeinflusst Funktion, Sicherheit und Wartung hydraulischer Systeme. Rohre sind belastbar und langlebig, Schläuche flexibel und vibrationsdämpfend. Stauff empfiehlt, bereits in der Planung die Beanspruchung zu analysieren, um passende Lösungen zu wählen und spätere Anpassungen zu vermeiden.
Rohrleitungen aus Metall werden vorrangig in fest installierten Anlagen sowie für Leitungsabschnitte mit geringen Bewegungsanteilen verwendet. Sie haben hohe Standzeiten und verursachen im Vergleich zu Schläuchen, die schon materialbedingt regelmäßig überprüft und ausgetauscht werden müssen, einen geringeren Wartungs- und Instandhaltungsaufwand. Umgebungsfaktoren wie der Kontakt mit aggressiven Chemikalien, Abrieb, Hitze oder Kälte können diese Regel allerdings relativieren. So steigt beispielsweise bei hoher Luftfeuchtigkeit das Korrosionsrisiko von metallischen Leitungen und Verbindungen. Wenn ein hydraulisches System zur Überhitzung neigt oder unter hohen Temperaturen betrieben wird, kann die bessere Wärmeableitung von Rohren von Vorteil sein. Wird das System allerdings in einer kühlen Umgebung betrieben, bieten Schlauchleitungen eine bessere Isolierung für die Hydraulikflüssigkeit, sodass die Betriebstemperatur schneller erreicht wird.
Schläuche sind die richtige Wahl, wenn die zu verbindenden Elemente an einer oder beiden Seiten beweglich sein müssen. Ihre Elastizität entlastet die Anschlusspunkte und unterbricht die Übertragung von Schwingungen, wodurch Vibrationen im System reduziert werden. Dabei sind auch die Umgebungsbedingungen zu berücksichtigen. In der Mobilhydraulik sollten Erstausrüster beispielsweise darauf achten, Schläuche mit UV-beständigem, thermoplastischem Deckmaterial zu verwenden.
Maximal verfügbare Längen
Schläuche sind in deutlich längeren Ausführungen als Metallrohre erhältlich. Während einige Schlaucharten in Längen von über 50 Metern hergestellt werden, beträgt die Standardlänge von Metallrohren meist sechs Meter. Längere Rohre sind einfach nicht mit vertretbarem Aufwand in der Logistik zu transportieren. Es bietet sich daher an, größere Distanzen mit mehreren Rohrabschnitten zu überbrücken, die mit entsprechenden Verbindungssystemen verbunden werden. Bei der Auswahl sind die Betriebsbedingungen zu berücksichtigen. Für den Einsatz unter starken Vibrationen empfiehlt sich beispielsweise das Stauff Form-System mit seiner "formschlüssigen" Verbindung, die besonders vibrationsresistent ist. Alternativ bieten andere Lösungen aus dem Programm Stauff Connect, beispielsweise Schneidringverschraubungen mit oder ohne Weichdichtung, passende Lösungen.
Unter Druck
Unter Druck dehnen sich Schläuche im Durchmesser aus, während sie sich in der Länge verkürzen. Es sollte daher ein gewisser Spielraum gegeben sein, damit sie auch bei spontanen Druckspitzen sicher angeschlossen bleiben. Unkontrolliert peitschende Schlauchenden und auslaufende Hydraulikflüssigkeiten können erhebliche Risiken verursachen. Für die Betriebssicherheit ist die Verbindung von Schlauch und Armatur entscheidend. Die Ecovos-Schlaucharmatur aus dem Stauff-Portfolio ist beispielsweise ein zweiteiliges Presssystem mit einem besonders langen Schlauchnippel. Die dadurch entstehende größere Einbindefläche nimmt mechanische Belastungen wie Bewegungen, Druckwechsel oder Vibrationen zuverlässig auf. Auch vor Torsionen, also Verdrehungen entlang der Längsachse von Hydraulikschläuchen, sind mit Ecovos konfektionierte Schläuche besonders gut geschützt.
Anforderungen an den Biegeradius
Rohrleitungen lassen sich für komplexe Geometrien mehrfach biegen und platzsparend verlegen, was in engen Bauräumen ein Vorteil gegenüber Schläuchen ist. Stauff betreibt an neun seiner insgesamt 17 internationalen Standorte eigene Rohrbiegereien, in denen
Präzisionsrohre aus verschiedenen Werkstoffen bearbeitet werden. Die Enden werden einbaufertig umgeformt, etwa für das Stauff Form-System, oder mit vormontierten Schneidringen ausgestattet. Kunden erhalten darüber hinaus Dienstleistungen wie Prüfung, Reinigung für spezielle Reinheitsanforderungen und weitere Services. Immer mehr Erstausrüster lassen bei Systempartnern von Stauff komplette Baugruppen vorfertigen und direkt ans Montageband liefern. Sie schätzen das Konzept Stauff Line, bei dem Stauff die Verantwortung für hydraulische Leitungssysteme von der einzelnen Komponente bis zur einbaufertigen Leitung übernimmt.
Gewicht einsparen
Wenn das Gewicht des Leitungssystems eine Rolle spielt, liegt es zunächst nahe, Rohre und Schläuche anhand ihrer Nenngrößen zu vergleichen. In der Regel fällt die Wahl dann zugunsten der Rohrleitung aus. Ausschlaggebend bei diesem Vergleich ist jedoch der Innendurchmesser von Rohren und Schläuchen für die jeweils benötigten Druckstufen. Dann kann die Schlauchleitung „gewinnen”. Werden wiederum verschiedene Stahltypen mit höheren Druckstufen in Betracht gezogen, können geringere Wandstärken verwendet werden, wodurch sich das Gewicht wiederum reduzieren lässt. Bei der Frage des Gewichts sollten sämtliche Produktspezifikationen berücksichtigt werden, um die aus Funktions- und Kostensicht beste Lösung zu finden.
Vielschichtige Planung
Bei der Frage „Rohr oder Schlauch?“ müssen viele Kriterien berücksichtigt werden. Dazu zählen die elektrische Leitfähigkeit, die Korrosionsbeständigkeit gegenüber dem Hydraulikmedium oder aggressiven Substanzen sowie Verfügbarkeit und Preis. Die individuelle Abwägung dieser verschiedenen Faktoren lohnt sich. Sie steigert die Anlagenzuverlässigkeit und optimiert die Kostenstruktur bereits in der Konstruktionsphase. Die Kundenberater des internationalen Stauff-Teams unterstützen Hersteller hydraulischer Anlagen bei dieser vielschichtigen Planung des Leitungssystems. Dabei haben sie auch die Montagesicherheit im Blick. Je einfacher und eindeutiger eine Montage ist, desto geringer ist das Fehlerpotenzial am Montageband, beim Handling am Einsatzort und bei Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten durch den Nutzer oder Hydraulikdienstleister.
58791 Werdohl
DEUTSCHLAND






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