Humanoide Roboter

Werden humanoide Roboter Alltag?

Werden humanoide Roboter Alltag?

Humanoide Roboter bieten großes Potenzial für die Industrie. Alexander Mühlens von igus erklärt, welche Herausforderungen noch zu lösen sind und warum die Zukunft ihnen gehört.

Die kurze Antwort lautet: Ja, humanoide Roboter werden künftig Teil unseres industriellen Alltags. Die entscheidende Frage ist allerdings nicht, ob sie kommen, sondern wann sie tatsächlich einen breiten wirtschaftlichen Nutzen entfalten. Aktuell erleben wir einen enormen Hype rund um humanoide Robotik. Auf Messen und in sozialen Medien sehen wir Roboter, die laufen, tanzen oder spektakuläre Bewegungen ausführen. Das zeigt eindrucksvoll, welche Fortschritte die Technologie macht. Gleichzeitig müssen wir aber ehrlich sein: Viele dieser Systeme befinden sich noch in einer frühen Entwicklungsphase. Für den zuverlässigen Einsatz in Produktionsumgebungen fehlen häufig noch die notwendige Robustheit, Sicherheitskonzepte und die Fähigkeit, rund um die Uhr produktiv zu arbeiten. Heute lassen sich viele industrielle Aufgaben mit klassischen Industrierobotern, Cobots oder mobilen Robotersystemen wirtschaftlicher und zuverlässiger lösen. Deshalb sind diese Technologien aktuell die erste Wahl in den meisten Fabriken. Humanoide Roboter sind derzeit noch keine universelle Antwort auf den Fachkräftemangel oder die Automatisierung von Produktionsprozessen. Trotzdem wäre es ein Fehler, die Entwicklung zu unterschätzen.

Die Innovationsgeschwindigkeit ist beeindruckend. Sensorik, Aktorik und insbesondere die Greiftechnik entwickeln sich rasant weiter. Komponenten, die vor wenigen Jahren noch mehrere Zehntausend Euro kosteten, sind heute zu einem Bruchteil dieses Preises verfügbar und gleichzeitig leistungsfähiger geworden. Langfristig spricht vieles für den humanoiden Roboter. Unsere gesamte Welt wurde für Menschen gebaut: Türen, Treppen, Aufzüge, Maschinen und Werkzeuge orientieren sich an menschlichen Fähigkeiten und Körpermaßen. Ein humanoides System kann sich deshalb perspektivisch in bestehende Umgebungen integrieren, ohne dass diese komplett umgebaut werden müssen. Genau darin liegt sein größtes Potenzial.

Der wichtigste Treiber dieser Entwicklung ist jedoch nicht die Technik, sondern der Arbeitsmarkt. Viele Unternehmen finden schon heute keine Mitarbeitenden mehr für repetitive, körperlich belastende oder monotone Tätigkeiten. Hier kann Robotik einen entscheidenden Beitrag leisten. Bis humanoide Roboter jedoch wirklich universell einsetzbar sind, müssen noch viele Herausforderungen gelöst werden – von der Sicherheit über die Energieversorgung bis hin zu den enormen Datenmengen, die für lernfähige Systeme benötigt werden. Deshalb werden wir in den kommenden Jahren zunächst spezialisierte Anwendungen sehen, bevor der universelle humanoide Helfer Realität wird. Humanoide Roboter sind also weder Science-Fiction noch bereits industrieller Standard. Sie sind eine Technologie auf dem Weg in die Praxis – mit großem Potenzial, aber auch mit einer Reihe offener Aufgaben. Die Zukunft kommt. Nur etwas langsamer, als manche Marketingvideos vermuten lassen.

 

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