Sensorik

Ein völlig neues Sensorprinzip

Ein völlig neues Sensorprinzip
Ein völlig neues Sensorprinzip

Die Norweger Sonair arbeiten mit Nachdruck an einem neuartigen Sensor, der Räume in 3D zuverlässig überwachen kann - anonym und absolut sicher. CEO Knut Sandven weiht in die Einzelheiten ein. 

 

Herr Sandven, beginnen wir mit ein paar Informationen zu Ihrem Unternehmen. 

Gerne. Das Unternehmen heißt Sonair, was für „Seeing Objects in the Material – underwater and in the air“ (Objekte im Material erkennen – unter Wasser und in der Luft) steht. Unsere Technologie konzentriert sich auf Objekterkennung – und genau das wollen wir im Markt verbreiten. Wir haben einen 3D-Tiefensensor entwickelt, der alle Arten von Objekten aus unterschiedlichen Materialien erkennen kann. 

 

In der Luft und auch unter Wasser? 

Eigentlich nicht unter Wasser – vorerst nur in der Luft. Aber unser Ansatz ist ziemlich einzigartig. Vergleichbares gibt es auf dem Markt nicht. Die Kernidee ist zuverlässige Objekterkennung. Das ist unser Hauptziel. 

 

Wann wurde Ihr Unternehmen gegründet? 

Wir haben im Oktober 2022 angefangen, sind also noch recht jung. Aber das ist tatsächlich mein drittes Unternehmen – und ich denke, es wird das erfolgreichste sein. 

 

Der Sensor erkennt also Objekte. Was ist der Unterschied zu Lidar? 

Gute Frage. Aktuelle Robotersysteme verwenden oft Lidar, das in 2D arbeitet. Unser Sensor liefert 3D-Daten und ein vollständiges räumliches Bild – ein horizontales und vertikales Sichtfeld von 180 Grad. Er eignet sich ideal für Anwendungen wie die Einrichtung von Sicherheitszonen um Maschinen herum. 

Wenn jemand die Zone betritt, stoppt die Maschine? 

Genau. Sie können es in unserer Demo sehen. Der Sensor, den wir zeigen, ist unser Testkit, und wir liefern nächste Woche die ersten Produkteinheiten aus. Auf dem Bildschirm sehen Sie eine Draufsicht. Alle Punkte repräsentieren erkannte Objekte – das sind Sie, das bin ich. Betritt etwas eine rote Sicherheitszone, wird es sofort erkannt. Bewege ich zum Beispiel meine Hand in die Zone, wird sie rot. Das funktioniert, egal ob etwas von oben kommt oder auf dem Boden liegt. 

Und diese Technologie könnte in Maschinen integriert werden? 

Ja. Die angezeigte Punktwolke ist anonym – es sind wirklich nur Punkte –, was bedeutet, dass wir Datenschutz bieten. Man kann keine Einzelpersonen identifizieren. Das ist ein Vorteil. 

Aber man kann auch nicht sagen, um welches Objekt es sich handelt? 

Richtig. Hier wäre eine Kamera nützlich, um das Objekt zu klassifizieren. In Kombination mit unserem Sensor erhalten Anwender also das Beste aus beiden Welten: Tiefe und Identifizierung. Unser Sensor liefert sicherheitsgeprüfte Tiefendaten, die Kameras nicht liefern können. 

Das ist eine clevere Kombination. 

Wir haben das Testkit Ende letzten Jahres auf den Markt gebracht und arbeiten nun mit rund 20 Robotikunternehmen zusammen. Das Feedback war hervorragend. Wir integrieren den Sensor jetzt in echte Produkte. 

Können Sie ein Beispiel nennen? 

Ein Beispiel ist Lawson, ein Einzelhändler in Japan, der an einem Roboter für Lebensmittelgeschäfte arbeitet. Er muss Personen erkennen, ohne sie zu identifizieren – perfekt für unsere Technologie. Die anderen Partner sind derzeit noch vertraulich. 

Ist Sicherheit also ein zentraler Aspekt? 

Ja. Eine Sicherheitszertifizierung ist unerlässlich. Der Roboterhersteller baut sein Sicherheitssystem auf dem zertifizierten Sensor auf. Wir erwarten, bis Dezember zertifiziert zu sein. 

Wähnen Sie sich auf einem guten Weg? 

Ja, die Entwicklung ist äußerst spannend. Die Nachricht spricht sich bereits herum, und wichtige Akteure der Branche zeigen Interesse. 

Wie lange hat die Entwicklung gedauert? 

Wir haben etwa zwei Jahre an der Technologie gearbeitet. Die Idee kam uns gleich bei der Firmengründung – wir haben uns direkt in die Entwicklung gestürzt. 

Es ist nicht üblich, ein völlig neues Sensorprinzip zu entwickeln. 

Das stimmt. Wir produzieren sogar unsere eigenen siliziumbasierten Wandler – das ist unser geistiges Eigentum. Niemand sonst hat solche Komponenten. 

Beeindruckend. Gibt es Pläne für zukünftige Versionen? 

Ja, wir planen bereits eine 360-Grad-Version zur Überwachung des gesamten Bereichs um einen Roboter. Hoffentlich können wir sie nächstes Jahr präsentieren. 

Autor: Das Gespräch führte Michael Kleine 

Bilder: Sonair 

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