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VDMA warnt vor Standortverlust: Maschinenbau fordert Reformen

VDMA warnt vor Standortverlust: Maschinenbau fordert Reformen

Der Maschinen- und Anlagenbau sieht den Industriestandort Deutschland unter erheblichem Druck. Der VDMA fordert umfassende Reformen, um Abwanderung von Produktion und Forschung zu verhindern – und kritisiert die Bundesregierung für fehlende Entlastungen.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hat auf seiner Jahrespressekonferenz eindringlich vor einer schleichenden Abwanderung von Investitionen und Forschungsaktivitäten gewarnt. Verbandspräsident Bertram Kawlath erklärte, Deutschland bleibe zwar ein zentraler Standort für die Industrie, doch die Wettbewerbsfähigkeit sei zunehmend gefährdet. „Der Industriestandort Deutschland lebt von Innovationen. Und Innovationen finden nur dort statt, wo auch produziert wird“, sagte er. Ohne grundlegende Reformen drohe eine Verlagerung von Wertschöpfung ins Ausland.

Kawlath kritisierte die wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Debatte in Teilen der Bundesregierung als nicht zielführend. Die jüngst aufgeflammte politische Rhetorik bezeichnete er als „völlig unangemessen“. Unternehmen des industriellen Mittelstands, so Kawlath, leisteten einen wichtigen Beitrag zu Beschäftigung und sozialer Stabilität. Entscheidend sei jedoch, die steuerliche und regulatorische Belastung zu senken. Nach Angaben des Verbands liegen die Unternehmenssteuern im internationalen Vergleich deutlich höher. Der VDMA fordert deshalb eine beschleunigte Steuersenkung sowie eine wöchentliche statt tägliche Höchstarbeitszeit. „Wir stehen im globalen Wettbewerb mit Ländern, in denen kluge Köpfe länger arbeiten und Unternehmen weniger Steuern zahlen“, erklärte Kawlath.

Scharfe Kritik äußerte der Verband am geplanten Tariftreuegesetz. Aus Sicht des VDMA führt es zu höherer Bürokratie, besonders für kleine und mittlere Betriebe. Kawlath bemängelte, dass Anbieter aus dem Ausland von zentralen Vorgaben ausgenommen seien. Dies führe das Gesetz „ad absurdum“. Gleichzeitig fehlten vorgesehene Ausnahmen für Start-ups. Der Verband warnt zudem davor, dass zusätzliche Nachweispflichten öffentliche Investitionsprojekte verzögern könnten.

Die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe bleibt angespannt. Laut VDMA-Volkswirten dürfte die Produktion im Jahr 2025 um rund fünf Prozent sinken. Die Branche befindet sich seit 2023 in einer anhaltenden Schwächephase. Die Kapazitätsauslastung liegt weiterhin deutlich unter dem langjährigen Mittel. Auf dem Arbeitsmarkt zeigen sich ebenfalls Folgen: Die Zahl der Beschäftigten ist rückläufig, während die Kurzarbeit zuletzt deutlich zunahm. „Unsere Betriebe wollen ihre Stammbelegschaften halten“, sagte Kawlath. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, brauche es jedoch verbesserte Rahmenbedingungen, etwa eine erleichterte Zuwanderung und eine Reform der Altersgrenzen. Die Rente mit 63 bezeichnete er als Hemmnis.

International sieht der Verband zusätzliche Belastungen. Neue US-Zölle auf Stahl und Aluminium könnten einen Großteil der deutschen Maschinenexporte betreffen. Viele Unternehmen berichten laut VDMA von rückläufigen Auftragseingängen. Neben den finanziellen Auswirkungen seien die umfangreichen Dokumentationspflichten problematisch. Nur ein kleiner Teil der Betriebe könne sie vollständig erfüllen. „Die Zölle sind für beide Seiten absolut kontraproduktiv“, betonte Kawlath und forderte die Bundesregierung auf, stärker für Verhandlungen einzutreten.

Auch der zunehmende Wettbewerb aus China setzt die Branche unter Druck. Chinesische Hersteller drängen verstärkt auf internationale Märkte, häufig mit staatlicher Unterstützung. Der VDMA fordert deshalb eine wirksamere Marktüberwachung in Europa, um sicherzustellen, dass importierte Produkte den EU-Standards entsprechen. Bessere Rahmenbedingungen in Deutschland und der EU seien dennoch der entscheidende Faktor, so Kawlath: „Unsere mittelständische Branche lebt vom Export und kann nicht einfach Produktionsstätten verlagern.“

Mit Blick auf die Handelspolitik fordert der Verband den raschen Abschluss weiterer Freihandelsabkommen. Vorrangig sei die Ratifizierung des Mercosur-Abkommens, gefolgt von Verhandlungen mit Indien. Abschottung, so der VDMA, sei keine Lösung. Kawlath warnte zudem vor extremistischen politischen Kräften, deren Positionen den wirtschaftlichen Erfolg Europas gefährden könnten.

Positive Signale sieht der Verband in jüngsten EU-Initiativen, die Berichts- und Lieferkettenpflichten vereinfachen sollen. Dennoch sei der regulatorische Rahmen weiterhin zu komplex. Auch beim Klimaschutz mahnt der VDMA klare Leitlinien an. Europas Industrie müsse in der Lage sein, Schlüsseltechnologien zur Erreichung der Klimaziele auszubauen. „Wir müssen die Wertschöpfungsketten hier beherrschen und lebendig halten“, sagte Kawlath.

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