Regeneratives Wirtschaften
„Vom linearen Denken zur regenerativen Wirtschaft“
Weg vom linearen Denken, hin zu regenerativem Wirtschaften: Bürkert-CEO Georg Stawowy spricht im Interview über systemisches Handeln, neue Formen der Wertschöpfung und warum Vernetzung, Langfristigkeit und Mut zu Veränderung die Grundlage für gesundes Wachstum bilden.
Das globale Wachstum stößt an seine Grenzen: Ressourcenknappheit, ökologische Belastungen und gesellschaftliche Herausforderungen machen lineares Wirtschaften zunehmend problematisch. Bürkert Fluid Control Systems reagiert darauf mit der Vision einer regenerativen Wirtschaft, die aktiv positive Wirkung entfaltet. Das Unternehmen richtet Strategie und Prozesse systemisch aus, nutzt Gewinne zur Förderung gesellschaftlichen Wohlstands und fördert Vernetzung statt Konkurrenzdenken. Mitarbeitende erhalten psychologische Sicherheit, agile Fraktale schaffen eigenständige Handlungsspielräume. Kooperationen mit Partnern und Start-ups beschleunigen Innovationen und verbessern Ressourceneffizienz. Schritt für Schritt vollzieht Bürkert den Übergang von klassischem Nachhaltigkeitsdenken zu einem ganzheitlich regenerativen Ansatz, der ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich Wirkung zeigt.
Herr Stawowy, bei Bürkert befassen Sie sich ganz stark mit dem Thema „Regenerative Wirtschaft“, ein Konzept, das für uns in der industriellen Welt bisher noch nicht so etabliert ist. Was ist für Sie die Idee dahinter?
Die regenerative Wirtschaft geht über klassische Nachhaltigkeit hinaus. Es reicht nicht, „weniger schlecht“ zu sein – wir müssen aktiv positive Wirkung erzeugen. Bei Bürkert war das ein Lernprozess: Aus dem Nachhaltigkeitsgedanken wurde der Anspruch, Systeme wirklich zu verändern. Regeneration verstehen wir dabei nicht als Zusatzprojekt, sondern als gemeinsame Gestaltungsaufgabe – vor allem in der Produktentwicklung. Wir wollen aktiv Einfluss nehmen, statt nur zu kompensieren. Langfristig sehen wir darin auch einen Wettbewerbsvorteil: Kundinnen und Kunden sollen sagen können – Bürkert hilft mir, nachhaltiger zu werden. Das ist unser Weg: eine Wette auf eine Zukunft, in der regenerative Prinzipien zu einem echten Wettbewerbsvorteil werden – und zu einem sinnstiftenden Beitrag für Gesellschaft und Umwelt.
Welche konkreten Schritte unternimmt Bürkert bereits, um von linearer zu regenerativer Ökonomie zu wechseln, und wo liegen dabei die größten Herausforderungen?
Wir konzentrieren uns auf Branchen mit positiver Wirkung – etwa Pharma & Biotech, Wasserstoff, Lab & Analytical und Food & Beverage. Bewusst verzichten wir auf Bereiche wie Defence. Nicht, weil wir die Branche grundsätzlich ablehnen, sondern weil Rüstung und Regeneration einfach nicht zusammenpassen. Stattdessen investieren wir in Partnerschaften mit Sinn, etwa mit Green Elephant Biotech, ein Unternehmen/Start-up, das an personalisierten Krebstherapien arbeitet. Wenn solche Lösungen gelingen, profitieren nicht nur die Patienten, sondern auch wir als Partner – wirtschaftlich und ethisch. Das ist für uns ein ideales Zusammenspiel von Sinn und Geschäft. Die größte Herausforderung liegt im Kulturwandel: Erfolg soll künftig nicht nur am Umsatz, sondern auch an der positiven Wirkung gemessen werden.
„Wir entwickeln uns immer stärker von einem produktorientierten Lösungsanbieter zu einem Anbieter von regenerativen Lösungen und Services.” Georg Stawowy
Bildet sich das Ganze schon in konkreten Produkten oder aus systemischen Ansätzen im Unternehmen ab?
Der Wandel zeigt sich vor allem auf systemischer Ebene. Einzelne Produktverbesserungen sind wichtig, aber begrenzt. Wirkliche Wirkung entsteht, wenn ganze Prozesse betrachtet werden – etwa Energieeffizienz oder Ressourcennutzung beim Kunden. So entwickeln wir uns von einem Komponentenlieferanten zu einem Partner für ganzheitliche, regenerative Lösungen.
Wie können Mitarbeitende zum Katalysator für regeneratives Denken und Handeln im Unternehmen werden? Wie nimmt man diese idealerweise mit?
Wichtig ist Freiwilligkeit und Sinn. Wer intrinsisch motiviert ist, bringt sich stärker ein. Oft startet der Wandel durch engagierte Einzelne, die andere inspirieren. Entscheidend ist, dass regenerative Prinzipien auch im Arbeitsumfeld spürbar sind – durch Wertschätzung, Sinn und Sicherheit. So entsteht eine Kultur, in der Nachhaltigkeit selbstverständlich wird.
Inwiefern kann Vernetzung statt Konkurrenzdenken langfristig ökonomisch erfolgreicher sein als klassische Wettbewerbsstrategien? Und wie sieht Vernetzung bei Bürkert bereits in der Praxis aus?
Vernetzung kann erfolgreicher sein als Konkurrenz, wenn sie auf echten Win-win-Beziehungen beruht. Statt Wettbewerbsdenken braucht es Kooperation – denn viele Unternehmen stehen vor denselben Herausforderungen wie Materialknappheit oder Nachhaltigkeitsanforderungen. Bürkert setzt daher auf neue Formen der Zusammenarbeit: Gemeinsam werden Infrastruktur und Know-how genutzt, um Innovationen schneller umzusetzen. Auch regionale Netzwerke gewinnen an Bedeutung, um Ressourcen effizienter zu teilen. Kooperation statt Konkurrenz ist für Bürkert keine Idealvorstellung, sondern eine strategische Notwendigkeit für langfristige Resilienz – basierend auf Vertrauen, regionaler Stärke und gemeinsamer Wertschöpfung.



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